Björn borg feiert 70 – noch immer der mann mit dem eiskalten blick
Am 6. Juni 2026 wird Björn Borg siebzig Jahre alt – und die Tenniswelt zuckt noch immer elektrisiert, wenn sie seinen Namen nur ausspricht. Kein anderer Spieler hat die Sportart so sehr geprägt und sich selbst so sehr entflammt wie der Schwede mit der langen Mähne und dem ruhigen Lächeln.
Der erste superstar, der vom platz ins kino flog
1976 schlägt Borg John McEnroe im Wimbledon-Finale, 1980 wiederholt sich das Duell – diesmal mit dem wohl berühmtesten Tiebreak der Geschichte. 1–6, 7–6 (5), 6–3, 6–7 (16), 8–6. 18 Millionen Zuschauer verfolgen das Match live in England; Deutschland verpasst das Abendprogramm, weil das Spiel zu lang wird. Die Ice-Borg-Manie bricht aus. Fotografen warten vor seinem Hotel, als wäre er ein Popstar. Und tatsächlich: Loredana Bertè tanzt neben ihm in den italienischen Nachtclubs, ihre Liaison wird zur ersten Beziehung, die Sport und Glamour vereint.
Aber der Glamour verbarg den Preis. Borg trainierte wie ein Asket, schlief in einer Kapsel, deren Temperatur auf 18 Grad gehalten wurde. „Ich habe meine Seele verkauft, um Tennis zu spielen“, sagte er später. Die Folge: Elfjähriger Karriere-Ende mit 26 Jahren, drei gescheiterte Ehen, ein Bankrott. Die Legende aber lebt weiter.

Zehn momente, die die sportgeschichte schrieben
1. Der erste Rückhand-Topspin à la Borg 1974 in Paris – bis dahin hielt man den Schlag für unmöglich. 2. Die fünf aufeinanderfolgenden Wimbledon-Titel 1976–1980. 3. Das Bandana, das zur Ikone wurde. 4. Der Wechsel von Holzschläger zu Graphit, der die Industrie revolutionierte. 5. Die Rivalität mit McEnroe – Sport als Pop-Kultur. 6. Der abrupte Rücktritt 1983, der die Tour in Schock versetzte. 7. Die gescheiterte Comeback-Versuche 1991–1993. 8. Die Björn-Borg-Fashion-Linie, die 1987 Millionen umsetzt. 9. Die Doku „Borg vs McEnroe“ (2017), die neue Fans findet. 10. Der Ehrensitz im Wimbledon Royal Box 2022, wo er nach wie vor wie ein Gott empfangen wird.
Das paradoxe Fazit: Borg brannte schneller als jeder andere – und hinterließ eine Glut, die bis heute nachglüht. In den Statistiken steht er hinter Djokovic, Federer und Nadal. In den Köpfen bleibt er unantastbar. „Er hat gezeigt, dass Tennis Gefühle auslösen kann wie Rockmusik“, sagt Boris Becker. Die Zahlen sprechen für sich: 66 Karrier-Titel, 11 Grand-Slam-Siege, null Social-Media-Accounts.
Am heutigen Geburtstag wird sich Borg vermutlich im schwedischen Häuserchen zurückziehen, das er sich nach dem Ruhestand kaufte. Keine Show, keine Interviews. Nur das leise Wissen, dass er der erste war, der bewies: Sport kann cool sein. Und cool bleibt man eben auch mit siebzig.
