Biathlon-otepää: fichtner will den debakel-makel auslöschen

15.15 Uhr, Otepää. Marlene Fichtner steht auf der Startrampe, und ein ganzes Land atmet kurz ein. Eine Woche nach dem historischen Staffel-Patzer der deutschen Frauen geht es für die 22-Jährige um nicht weniger als die Rückkehr in die Spur der eigenen Bestleistungen.

Die angst vor dem nachladen ist abgelegt

Kontiolahti war ein Januskopf: Platz vier und fünf im Einzel – dann der Fehlschuss beim Nachladen, zwei Strafminuten, Platz 16. Die schlechteste Staffel der deutschen Biathlon-Geschichte. «Ich habe die Nacht danach nicht geschlafen», gab Fichtner später zu. Heute darf sie beweisen, dass sich ihre Handschrift nicht in einem einzigen verrutschten Patronenhalter erschöpft.

Die Gegnerin, die es zu schlagen gilt, heißt Elvira Öberg. Die Schwedin fuhr in Finnland einen Sieg und einen zweiten Platz ein und ist auf den 7,5 Kilometern derzeit die Benchmark. Dahinter lauert Lou Jeanmonnot, die Gesamtweltcupführende, die sich nach zwei mageren Rennen rehabilitieren will. Fichtner selbst war es, die die Französin in Kontiolahti noch hinter sich ließ – ein Detail, das in der öffentlichen Wahrnehmung unterging, weil das Debakel die Schlagzeilen beherrschte.

Ard und eurosport liefern das duell live

Ard und eurosport liefern das duell live

Der Free-TV-Zuschauer kann entspannt bleiben: ARD überträgt ab 15.05 Uhr, Eurosport parallel. DAZN streamt zusätzlich. Wer unterwegs ist, greift auf ARD-Mediathek oder Sportschau.de zurück. Sollte das Rennen mal in einem Meeting laufen, liefert Sport BILD den Live-Ticker nach – ein Komfort, den frühere Biathlon-Generationen nicht hatten.

Deutschland schickt mit Vanessa Voigt, Janina Hettich-Walz, Julia Tannheimer, Julia Kink und Selina Grotian ein halbes Dutzend Karten im Lotto der Top-10-Platzierungen. Doch der Blick richtet sich auf Fichtner. Ihre Saison-Bilanz: zwei Top-Fünf-Ergebnisse in Folge, dann der Kollaps in der Staffel. Statistisch gesehen ist sie die am stärksten aufsteigende deutsche Athletin; emotional gesehen ist sie die, der am meisten zuzutrauen ist, sich aus der eigenen Geschichte herauszuschreiben.

Um 16 Uhr steht schon die Verfolgung der Frauen an, morgen folgen die Männer. Am Sonntag krönen Mixed-Staffel und Single-Mixed-Staffel den estnischen Weltcup-Wahnsinn. Wer in Otepää vorn mitmischen will, muss heute liefern – sonst sieht er Sonntag nur noch das Rücklicht des Feldes.

Für Fichtner ist der Sprint kein Neuanfang, sondern eine Fortsetzung unter erhöhten Bedingungen. Die 7,5 Kilometer durch die estnische Wälder sind zugleich Kur und Test: Wer heute trifft, darf wieder von der Spitze träumen. Wer patzt, muss sich selbst in den Ski-Spuren fragen, ob die eigene Form nur ein Strohfeuer war. Die Antwort bekommt sie zwischen den ersten Schritten auf dem Schnee und dem letzten Schuss auf der Matte – und die Fans bekommen sie live auf dem Bildschirm. Keine Rhetorik, keine Ausreden, nur Schwarz auf Weiß: Treffer oder Fehler.