Biaggi feuert bezzecchi an: «mit aprilia gegen marquez – aber bitte weniger stürze»
Max Biaggi schaut nicht mehr über den Zaun, er steht wieder mitten drin. Im Fahrerlager von Noale hängt sein Schatten über jedem Boxengang – und über jedem Kommando, das Marco Bezzecchi in den letzten Wochen abliefert. Drei Siege in vier Rennen, zwei Doppelsiege für Aprilia: Die Saison 2026 beginnt wie ein Biaggi-Déjà-vu, nur dass diesmal jemand anderes das Podium entern soll.
Warum austin bezzecchis feuerprobe wird
«Marc fährt dort eine andere Liga», sagt Biaggi mit dieser römischen Gelassenheit, die seine Worte noch schwerer macht. «Wenn er nicht stürzt, gewinnt er – und zwar mit Abstand.» Die Warnung ist kein Nebensatz, sie ist Programm. Denn wer Marquez schlagen will, muss an diesem Wochenende erst einmal sich selbst schlagen. Bezzecchi stürzte in Thailand drei Mal, einmal in der Sprint-Wertung, zweimal im Training. «Das sind keine Kinderfehler mehr, das kostet Weltmeisterschaften», so der ehemalige König der 250 cc.
Die Rechnung ist simpel: 25 Punkte Vorsprung vor Marquez, aber nur zwei Rennen absolviert. Die Luft ist dünn, die Ducati-Armada atmet auf. «Sie sind die Champions, sie bleiben die Favoriten», sagt Biaggio und schiebt den Daumen nach unten. «Solange Marc nicht zweimal hintereinoden unterliegt, bleibt er der Maßstab.»

Italiens duell gegen sich selbst
Noch nie zuvor lagen zwei italienische Marken nach dem Auftakt vorne – und das, während die Japaner in der Box schweigen. «Das ist kein Zufall, das ist ein Machtwechsel», erklärt Biaggi. Liberty Media, die neue MotoGP-Mutter, schickt ihre Milliarden-Kamerateams durchs Fahrerlager. «Wenn sie nur die Hälfte von dem bringen, was sie in der Formel 1 aufgebaut haben, verändert sich unser Sport für immer.» Ob das gut oder schlecht ist? Biaggi zuckt mit den Schultern. «Geld macht schnelle Motorräder. Und schnelle Motorräder machen gute Geschichten.»
Die Geschichte, die er erzählen will, trägt die Nummer 72. Bezzecchi ist kein Rossi-Nachfolger, kein Biaggi-2.0 – er ist sein eigener Comic-Held, nur mit weniger Kolorit auf dem Asphalt. «Er hat das Temperament, er hat die Geschwindigkeit, er hat die Maschine», zählt Biaggi auf. «Nur die Erfahrung fehlt.»
Und so steht Biaggi jeden Morgen um 8:14 Uhr in der Box, einen Kaffee in der Hand, die Stoppuhr in der anderen. Er misst Zeiten, misst Stimmungen, misst Schweigen. «Ich bin kein Strategie-Genie», sagt er. «Aber ich weiß, wie sich Anspannung anfühlt, wenn sie einem die Kehle zuschnürt.»
Texas wird die Wahrheit liefern. Entweder Bezzecchi fährt seine erste saubere Woche – oder Marquez kehrt zurück in die Realität der Sieger. Biaggi nimmt sich eine mentale Sekunde. «Wenn Marco dort vorne bleibt, ist die Meisterschaft offen. Wenn nicht, war es nur ein Frühlingsmärchen.»
Dann lacht er. Ein leises, römisches Lachen. «Aber Märchen waren schon immer mein Lieblingsteil des Sports.»
