Belinelli packt aus: 87 minuten, ein ring und kein blick zurück

Rom – Drei Tage Kino reichen. Am 16., 17. und 18. März flimmert „The Basketball Dream“ über die Leinwände, und wer sich hinsetzt, bekommt Italiens Basketball-Heldengeschichte in einem Rutsch serviert: 87 Minuten, keine Pause, ein Leben.

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Regisseur Giorgio Testi und Drehbuchautor Francesco Zippel rollen den Film ab wie einen Fastbreak: Start im Kellerclub des Emilia, dann Sprint durch 13 NBA-Jahre, vorbei an Verletzungen, Trade-Gerüchten, Nächten auf dem Hotel-Sofa, bis zur Nacht vom 15. Juni 2014, als Marco Belinelli als erster Italiano überhaupt den Meisterring streifte. Die Kamera hält die Sekunde fest, in der Popovich ihm die Hand auf die Schulter legt – ein Bild, das in den nächsten Jahrzehnten kein italienisches Sportdokumentarfilm-Regal fehlen wird.

Der Drei-Punkte-Wettbewerb im selben Jahr? Bonus. „Hätte ich den nicht auch noch gewonnen, würde man mir heute die Geschichte nicht abkaufen“, lacht Belinelli, während er in den Räumen der Frame-by-Frame-Studios in Rom auf dem Sofa sitzt. Neben ihm: sein Manager Alessandro „Sapo“ Saponaro, der seit 20 Jahren Koffer bucht, Termine schiebt und dafür sorgt, dass der Star nicht mal den Pass vergisst. Ohne ihn kein Film.

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Andrea Bargnani hatte einst die Idee, gemeinsam mit Danilo Gallinari ein italienisches 3×3-Team aufzuziehen – Medienrummel inklusive. Belinelli schüttelt den Kopf: „Ich habe meine 110 % gegeben, mehr geht nicht. Und am 25. März werde ich 40. Meine Knie erinnern mich täglich daran.“ Die Antwort kommt ohne Sentimentalität, nur mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass Trainingspuls und EGO sich irgendwann ausschalten.

Stattdessen kreist das Gespräch um die Nationalteam-Träume, die nie in Medaillen mündeten. Belinelli hätte gern den Europacup oder Olympia-Quarterfinal gewonnen, doch der Ball sprang einfach nicht auf Italiens Seite. „Wenn du in Sacramento sitzt und nachts das NBA-League-Pass-Spiel der Azzurri streamst, verlierst du trotzdem mit 71:72 – das nagt“, sagt er. Neue Generation? „Talentierter, schneller, aber auch ungeduldiger. Wir haben gelernt, den Traffic in der Zone abzuwarten, sie wollen den Schnellweg.“

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Der Ex-Champion glaubt an NBA-Spiele in Mailand und Rom, plant für 2027, doch er kennt die alten Hallen, die engen Parkplätze, die fehlenden VIP-Tunnels. „Man kann nicht einfach das American Airlines Center nach Europa verpflanzen. Aber das Geld ist da, der Wille auch – ich bleibe dran“, sagt Belinelli, der künftig als Berater fungieren will. Trainer? „Keine Zeitouts mehr für mich.“

Stattdessen priorisiert er den Family-Modus: „Meine Kids wissen noch nicht, dass Papa einmal den besten Dreier der Welt traf. Sie wollen nur wissen, ob wir heute Eis oder Pizza machen.“

Der Film endet mit einem Satz, den er selbst in die Kamera spricht: „Träume lohnen sich nur, wenn ihr dafür schuftet.“ Die Credits laufen, aber im Saal bleibt ein Nachhall: In 87 Minuten hat Belinelli gezeigt, dass italienischer Basketball nicht nur von der Größe lebt, sondern von der Dauer – 13 Jahre NBA, ein Champion, null Ausreden.