Bela guttmann: mehr als nur der benfica-fluch – ein leben zwischen fußball und tragödie
- Ein name, der beim benfica lissabon sakrosankt ist
- Die gründung des hakoah wien: ein jüdischer sportverein im kaiserreich
- Der aufstieg des hakoah und die schatten des antisemitismus
- Sicherheit durch kampfsportler: schutz vor hass und gewalt
- Der meistertitel 1925 und die usa-tournee
- Kontroversen und rückkehr nach europa
- Verfolgung und überleben im zweiten weltkrieg
- Die trainerlegende und das vermächtnis
Ein name, der beim benfica lissabon sakrosankt ist
Bela Guttmann (1899-1981) ist untrennbar mit dem Triumph des Benfica Lissabon verbunden. Er führte den Verein zu zwei Europapokalsiegen, doch sein Name ist auch mit einem vermeintlichen Fluch behaftet. Doch hinter der sportlichenLegende verbirgt sich ein Leben voller Dramen und Herausforderungen, die typisch für das turbulente 20. Jahrhundert sind. Seine Geschichte ist weit mehr als nur Fußball.

Die gründung des hakoah wien: ein jüdischer sportverein im kaiserreich
Guttmanns Wurzeln liegen in der Budapester jüdischen Gemeinde des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs. Im Jahr 1909 hatten Fritz Löhner-Beda, ein Kabarettist und Schriftsteller, und der Zahnarzt Ignaz Herman Körner die Vision, einen Sportverein zu gründen, der von und für Juden getragen wird. Ziel war es, Stereotypen zu bekämpfen, doch die Gründung rief auch die Feinde auf den Plan, die das vermeintliche Kapital der Juden als Angriffspunkt nutzten.

Der aufstieg des hakoah und die schatten des antisemitismus
Der Hakoah Wien rekrutierte talentierte jüdische Fußballspieler und zahlte ihnen sogar das Dreifache ihrer bisherigen Gehälter. Trotz der sportlichen Erfolge war der Verein ständigen antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Bei Spielen wurden abfällige Rufe wie “jüdische Schweine” oder “schmutzige Juden” laut. Zu dieser Zeit lebte in Wien auch ein junger Adolf Hitler, der die Atmosphäre des Hasses und der Ausgrenzung aufsaugt und für seine späteren Pläne nutzte.

Sicherheit durch kampfsportler: schutz vor hass und gewalt
Die zunehmende Bedrohung durch antisemitische Angriffe zwang den Hakoah zu drastischen Sicherheitsmaßnahmen. Bei Spielen wurden Mickey Herschel, ein jüdischer Ringer und Champion, sowie andere Kampfsportler des Vereins als Leibwächter eingesetzt, um die Spieler und Fans zu schützen. Diese Situation verdeutlicht die allgegenwärtige Gefahr, der der Verein und seine Anhänger ausgesetzt waren.

Der meistertitel 1925 und die usa-tournee
Der größte Erfolg des Hakoah gelang im Jahr 1925. Unter der Führung von Bela Guttmann gewann der Verein die österreichische Meisterschaft vor dem Amateure Vienna und dem First Vienna. Dies war ein historischer Moment, da der Hakoah der erste professionelle Meister Österreichs wurde. Der Erfolg führte zu einer Tournee in den USA, wo das Team sogar vom Präsidenten Calvin Coolidge im Weißen Haus empfangen wurde.
Kontroversen und rückkehr nach europa
Die USA-Tournee war jedoch nicht ohne Kontroversen. Eine Gruppe von Rabbinern verurteilte die Austragung von Spielen am Sabbat, dem jüdischen Ruhetag. Trotzdem zog die Tournee große Menschenmengen an – bei Spielen in New York und Chicago waren über 40.000 Zuschauer anwesend. Nach dem Börsencrash von 1929 kehrte Guttmann ruiniert nach Wien zurück.
Verfolgung und überleben im zweiten weltkrieg
Mit der Besetzung Budapests durch die Nationalsozialisten begann für Guttmann eine Zeit der Verfolgung und des Schreckens. Er versteckte sich mit Hilfe seiner Schwägerin Mariann Moldován und deren Bruder Pál Moldován, der ihn trotz Folter nicht verriet. Schließlich übergab sich Guttmann freiwillig einem Arbeitslager, um der drohenden Abschiebung nach Auschwitz zu entgehen. Er überlebte die letzten Kriegswochen versteckt in einer Fabrik. Nach dem Krieg, mit 46 Jahren, fand er in einer zerstörten Budapest wieder ins Leben zurück.
Die trainerlegende und das vermächtnis
1945 heiratete Guttmann Mariann und widmete sich erneut dem Fußball. Er wurde zu einem legendären Trainer, der seine Vergangenheit jedoch selten ansprach. Seine Erfolge mit Benfica Lissabon sind unvergessen, doch seine Lebensgeschichte erinnert uns daran, dass hinter jedem Erfolg oft ein tiefes Trauma verborgen liegt. Sein Leben ist ein Zeugnis von Widerstandskraft, Überlebenswillen und der Liebe zum Fußball.
