Bayern zittert sich zum bernabéu-coup: díaz jagt madrid, aber der kater bleibt

25 Jahre hat der FC Bayern auf diesen Moment gewartet. Im Estadio Santiago Bernabéu schlug der Rekordmeister Real Madrid mit 2:1 und riss die Königlichen erstmals seit 2001 in einem Pflichtspiel nieder. Luis Díaz war der Mann des Abends, traf, schwitzte, schlug Flanken – und knirschte trotzdem mit den Zähnen. „Wir hätten ein, zwei Tore mehr machen müssen“, sagte er unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Der Satz hallte durch die Mixed Zone und nagt noch immer an den Bayern-Mündern.

Der plan ging auf – bis zur 80. minute

Bayern-Coach Vincent Kompany hatte Real Madrids Außenverteidigung auf dem Taktikbrett zerpflückt. Die Szene zum 1:0 lief exakt so ab, wie die Analysten es vorgezeichnet hatten: Ballgewinn, Steilpass in die Tiefe, Díaz sprintet sich an Carvajal vorbei und netzt ein. „Wir haben Madrid studiert, jede Lücke kartiert“, erklärte der Kolumbianer. Doch die Großchance zum 3:1 ließ Musiala in der 78. Minute liegen – und plötzlich stand Bayern hinten offen.

Das Spiel kippte für zehn Minuten. Madrid drängte, die Bayern liefen nur noch hinterher. Die Königlichen forderten einen Elfmeter nach Kontakt zwischen Kimpembe und Bellingham – Schiedsrichter Orsato liegte weitermachen. Díaz atmete auf, wusste aber: „Mit 3:1 wäre die Vorentscheidung gefallen.“ Stattdessen reist der FC Bayern mit einem knappen Vorsprung nach München, und das Rückspiel droht zur Achterbahn zu werden.

Physik und psyche: díaz schwört auf den teamkollektiv

Physik und psyche: díaz schwört auf den teamkollektiv

Der Flügelflitzer bestritt in dieser Saison bereits 47 Pflichtspiele. „Ich fühle mich stark, weil alle zusammenrücken“, sagt er. Die Belastung spürt er kaum, weil Bayern nach dem 4-3-3-Kompakt-System die Laufarbeit aufteilt. Im Mittelkreis gräten Kimmich und Palhinha jeden zweiten Ball ab, während Díaz und Sané nur noch den letzten Pass spielen müssen.

Das macht den Unterschied zum FC Liverpool, wo Díaz oft alleine die linke Bahn hoch und runter flog. „Hier bin ich Teil eines Uhrwerks, nicht dessen Antrieb“, sagt er – und schmunzelt über die Frage, ob er den Wechsel bereue. Antwort kommt sofort: „Jedes Spiel bestätigt meine Entscheidung.“

Die zahlen, die madrid frieren lassen

Die zahlen, die madrid frieren lassen

Bayern erzielte im Bernabéu 2,1 Expected Goals – so viel hat kein Gegner bei Real in dieser Champions-League-Saison produziert. Die 21 Ballgewinne im Mittelfeld sind ebenfalls Rekord gegen die Königlichen. Und: Nach dem Seitenwechsel lagen die Münchner bei 58 Prozent Ballbesitz, ein Wert, den Madrid normalerweise nur gegen Kleingeld erlaubt.

Doch genau daraus speist sich Díaz’ Frust. „Dominanz nutzlos, wenn man sie nicht abschließt“, sagt er. Seine Stimme wird leiser, fast schon vorwurfsvoll. „Wir haben sie wackeln sehen, aber nicht ausgelöscht.“

Rückspiel-voraussage: ein krimi bahnt sich an

Rückspiel-voraussage: ein krimi bahnt sich an

Am Dienstag in der Allianz Arena fehlt Madrid Innenverteidiger Rüdiger wegen Gelbsperre. Ancelotti muss umstellen, wahrscheinlich auf ein 3-5-2 mit Mendy als zusätzlichem Abwehrmann. Das würde Díaz viel Raum auf der Außenbahn bescheren – vorausgesetzt, Bayern riskiert frühes Pressing.

Trainer Kompany kündigte an: „Wir werden nicht verwalten.“ Heißt: hohe Linie, schnelles Umschaltspiel, Díaz als erste Anlaufstation. Der Kolumbianer lacht, als er das hört: „Perfekt. Dann bekomme ich endlich meine zwei versäumten Tore.“

Die Bayern-Fans dürfen sich warm anziehen. Das 2:1 war ein Auftakt, kein Endpunkt. Und Luis Díaz hat noch eine Rechnung offen – mit dem Scoreboard und mit seinem eigenen Anspruch.