Bayern zerquetscht gladbach ohne kane – doch neuers ausfall schockt
Lange vor dem Abpfiff hatte der Rekordmeister schon wieder jene Choreographie einstudiert, die die Bundesliga seit Jahrzehnten hasst: „Deutscher Meister wird nur der FCB“-Sprechchöre, angefeuert von 75.000 Lemmingen, die wissen, dass ihre Mannschaft selbst ohne Harry Kane ein Offensivmonster bleibt. Das 4:1 gegen Borussia Mönchengladbach war am Ende nur noch Ergebniskosmetik für die Gäste – und ein dicker Fragezeichen-Fetzen namens Manuel Neuer.
Goretzka spielt sich in nagelsmanns wm-startelf
Leon Goretzka hatte am Vormittag noch die Sportbild durch die Umkleide geschleppt, Titelseite kicker-Interview, Zitat: „Er ist zurück in der Nationalelf.“ Was wie PR-Mucki klang, wurde gegen Gladbach binnen 34 Minuten Realität. Goretzka lupfte in den Lauf von Luis Díaz, der Kolumbianer vollstreckte per Direktabnahme. Dann schaltete er erneut den Vorlageturbo, Konrad Laimer schob zum 2:0 ein. Goretzka lief wie ein Sechser mit Zehner-Qualität, seine Passquote: 94 %, dazu zwei Schlüsselpässe und ein Zwölf-Kilometer-Laufwerk bis zur Pause.
Die Rotation von Vincent Kompany – sechs Wechsel – wirkte wie ein Schachzug, der Gladbach den Spielfluss nahm. Ohne Kane durfte Nicolas Jackson durch die Mitte bohren, mit Erfolg: 57. Minute, Strafstoß, Musiala verwandelt, 3:0. Jackson selbst machte 25 Minuten später das 4:0, Lieferdienst: Lennart Karl. Die Fohlen wirkten wie ein Kollektiv, das die Uhr stellen wollte, aber jedes Mal die falsche Taste traf.

Neuer bleibt in der kabine – urbig rückt ins zentrum der sorgen
Doch die eigentliche Schlagzeile schrieb sich in der Halbzeitpause. Manuel Neuer, erst seit zwei Wochen zurück nach Muskelfaserriss, blieb in der Kabine. „Adduktoren-Probleme“, verlautete später aus dem Inneren des Vereins – ein Begriff, der in München seit 2021 ein déjà-vu auslöst. Jonas Urbig, 20, musste ran, hielt das, was zu halten war, kassierte aber noch den Ehrentreffer von Wael Mohya. Die medizinische Abteilung wird die Nächte durchrechnen: Ist es nur eine Ermüdung oder droht erneut eine längere Pause?
Die Tabelle spuckt trotzdem ein Bild aus, das die Liga seit neun Spieltagen kennt: Bayern an der Spitze, drei Punkte vor Leipzig, Torverhältnis 39:8. Die nächsten Gegner: Frankfurt, Bochern, Köln – kein Top-Sechs-Team mehr bis Ende März. Die Meisterschaft scheint längst in der Säbener Straße verpackt, doch die Frage nach Neuers Fitness könnte die K.-O.-Phase der ChampionsLeague überschatten. Denn dort zählt nicht nur das 4:1, sondern jeder einzelne Muskelfaser-Test.
Für Gladbach bleibt die Erkenntnis: Auch ein Tabakovic, der kurz vor der Pause noch von Kim gestoppt wurde, reicht nicht, wenn der Gegner jeden zweiten Ball gewinnt und jede Lücke nutzt. Die Borussia rutscht auf Platz zwölf ab, nur drei Punkte über dem Strich. Trainer Gerardo Seoane sprach von „Lehrstunden“, doch die Saison neigt sich dem Ende zu, und die Hausaufgaben sind noch längst nicht erledigt.
