Bayern zerlegt gladbach – doch neuers waden zittern vor bergamo
4:1 gegen Mönchengladbach, 92 Saisontore nach 25 Spielen – und trotzdem hängt beim FC Bayern ein einziger Gedanke durch die Kabine: Hält Manuel Neuer die nächsten neun Wochen durch?
Die offensive donnert, der kapitän humpelt
Was für eine Generalprobe. Luis Díaz wuchtete das 1:0 in die Maschen, Konrad Laimer erhöhte per Direktabnahme, Jamal Musiala verwandelte einen Strafstoß, den Nicolas Jackson provoziert und später selbst zum 4:0 versenkt hatte. Die Statistik lautet: 44 Ballaktionen im gegnerischen Strafraum, 10:1 Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz – Zahlen, die selbst das alte „mia san mia“ verblassen lassen.
Doch zwischen Jubelgesängen und Europa-League-Rufen klafft eine Lücke: Neuer ging mit gezogenem Gesicht in die Kabine. Nach 45 Minuten wurde er ausgewechselt, die Wade gepackt, die Blicke der Mediziner dunkel. Es ist der zweite Muskelfaserriss dieser Art innerhalb von vier Wochen. Vincent Kompany betonte, man wolle nicht spekulieren. Aber die Frage bleibt: Wer hält den Kasten sauber, wenn der 37-jährige Kapitän ausfällt?

Goretzka liefert sich ein abschiedsdrama ab
Während die Kameras auf Neuer zoomten, schrieb Leon Goretzka seine eigene Geschichte. 110 Ballaktionen, 95 Prozent Passgenauigkeit, der Traum-Lupfer auf Díaz zum 1:0 – nach 41 Bundesliga-Spielen ohne Torvorlage. Der Mittelfeldspieler, den einige Fans schon abgeschrieben hatten, spielte wie befreit. „Ich habe mir im Hotel gesagt: Genieß es einfach“, gestand er später. Es klang nach einem Lebenszeichen für mögliche Abnehmer, denn der Verläufer läuft aus. Goretzka lieferte ein Bewerbungsschreiben in 90 Minuten.
Die Rotation funktionierte. Jackson bewies, dass Harry Kane nicht alleine Tore schießt, Lennart Karl und David Santos (19) bekamen Spielzeit. Selbst Maycon Cardozo (17) durfte debütieren. Die Breite des Kaders wirkt wie ein gut geölter Motor – bis auf die Position ganz hinten.

Die meisterschaft ist gegessen, bergamo brennt
14 Punkte Vorsprung auf Leverkusen, 17 auf Dortmund – die Schale ist so gut wie im Museum. Doch die „Königsklasse“ beginnt am Mittwoch. Atalanta kommt mit Lookman, De Roon und einer Pressing-Maschine, die selbst Liverpool in die Knie zwang. Ohne Neuer wird die Abwehr um Dayot Upamecano und Kim Min-jae plötzlich jünger, unerfahrener. Sven Ulreich ist ein solider Backup, aber er ist nicht der Mann, der 2013 im Wembley-Duell den Elfmeter von Ronaldo hielt.
Die Zahlen sind brutal: Bayern hat 92 Tore geschossen – Rekord-Jagd. Die 101-Tore-Marke aus der Heynckes-Saison 2012/13 ist greifbar. Doch Titel werden in Mai entschieden, nicht im März. Und May entscheidet sich oft zwischen den Pfosten. Wenn Neuers Wade nicht mitspielt, könnte selbst diese Monster-Offensive vor dem Aus stehen. Die Fans sangen nach Abpfiff „Europapokal!“ – ein Wunsch, der von einem einzigen Muskel abhängt.
