Bayern schoss sich mit schiri-attacke ins abseits – jetzt steht der klub allein da

Uli Hoeneß, Jan-Christian Dreesen, Herbert Hainer – das Trio schwang sich zum Wutchor der Bundesliga auf, schüttelte wochenlang an der Pfeife. Jetzt summt es nur noch um sie selbst.

Der plan war mehrheitsbeschaffung, das ergebnis lautet isolation

Die Münchener Führung wollte mit ihrer Kampagne gegen Christian Dingert und die übrigen Referees eine breite Front gegen das angebliche Bayern-Bashing schmieden. Stattdessen rücken die Gegner zusammen. Lothar Matthäus, Didi Hamann, Simon Rolfes – sie alle verweigern den Beitritt zur Opferrolle. „Ich habe nicht so viele grobe Fehlentscheidungen gesehen wie die oberste Riege des FC Bayern“, sagt Matthäus, und schon ist das Thema nicht mehr Schiri, sondern München.

Die Rechnung war simpel: Je lauter die Klage, desto größer der Druck auf künftige Unparteiische. Doch die Liga hat den Trick durchschaut. Union-Manager Horst Heldt formuliert es beim Sky-Mikro am deutlichsten: „Das nächste Schiedsrichtergespann hat es nicht einfach – jede Situation wird begleitet, unter der Lupe.“ Gemeint ist: Der Klub hat den Schiedsrichter schon vor dem ersten Pfiff zum Gegner erklärt.

Der var wird zum spiegel der selbstinszenierung

Der var wird zum spiegel der selbstinszenierung

Die Statistik liefert keine Belege für systematische Benachteiligung, also erfindet die Bayern-Führung eine emotionale Wahrheit: Im Zweifel entscheide der Ref gegen uns. Diese Behauptung ist nicht verifizierbar, aber sie schafft ein Klima. Genau das ist das Ziel. Dreesens Satz – „es gab eben immer wieder strittige Szenen, die oft gegen uns liefen“ – klingt wie ein Mantra, das sich selbst hypnotisiert.

Die Ironie: Wer so laut über Fehlentscheidungen klagt, dem wächst der Verdacht, er wolle künftige 50/50-Situationen beeinflussen. Die Schiedsrichter stehen unter Dauerbeobachtung, doch der Druck kommt nicht mehr nur vom Klub, sondern auch von der Öffentlichkeit, die den Trick durchschaut hat. Die Folge ist ein Paradoxon: Je mehr Bayern auf Fairness pocht, desto unfairer erscheint der Versuch, die Unparteiischen vorzuführen.

Zwischen 2012 und 2026 liegt dieselbe leere

Zwischen 2012 und 2026 liegt dieselbe leere

Bereits vor zwölf Jahren vermuteten Hoeneß und Rummenigge eine Verschwörung. Max Eberl widersprach schon damals, heute meldet sich die nächste Generation. Die Argumente haben sich nicht verändert, nur die Stimmen werden jünger. Der Unterschied: 2012 war die Liga noch bereit, mitzuspielen, heute lacht man über die Wiederholung.

Die Kampagne ist ein Eigentor. Kein Schiedsrichter wird offen zugeben, beeinflusst zu sein, doch jeder wird sich die Frage stellen: Pfeife ich beim FC Bayern anders, weil ich sonst ans Mikrofon muss? Genau diese Frage wollte die Bayern-Führung in den Köpfen platzieren – nur hat sie nun auch die Antwort geliefert: Ja, die Aufmerksamkeit steigt. Doch die Solidarität bleibt aus.

Mit jedem neuen Tag, an dem sich kein Bundesligist der Münchner Empörung anschließt, wächst der Eindruck: Der Rekordmeister hat sich verzockt. Die Schiris pfeifen weiter, die anderen klopfen sich auf die Schulde – und die Bayern gewinnen vielleicht die nächste 50/50-Szene, aber sie verlieren die Mehrheit der Liga. Das ist der Preis dafür, dass man sich selbst zum Maßstab erklärt hat.