Bayern rotiert, gladbach kassiert: 4:1 ohne kane ist ein statement
Ohne Harry Kane, ohne Pavlović, ohne Gnabry – und ohne Nervenflattern. Der FC Bayern schickt Borussia Mönchengladbach mit 4:1 nach Hause, beweist Tiefenstärke und gibt Vincent Kompany eine Antwort auf die Frage, ob Rotation automatisch Riss bedeutet. Die Antwort lautet: nein. Die Münchner bleiben obenauf, schießen sich warm für Bergamo und lassen Gladbach wieder mal im Regen stehen.
Goretzka zeigt, warum nagelsmann ihn nicht mehr abstellt
Leon Goretzka liefert das Spiel, das seine Berater dem Sommer zufolge als Bewerbungsunterlage in die ganze Liga mailen könnten. 45 Minuten lang dirigiert er den Mittelfeld-Takt, lupft in der 33. Minute die entscheidende Kerze auf Luis Díaz, der mit dem Außenrist vollendet. Goretzkas Pass ist kein Zufall, sondern die Folge eines Pressings, das Gladbach schon nach zehn Minuten in die Rückwärtsgang-Modus versetzt. Die Fohlen kommen erst nach 25 Minuten mal durch Haris Tabaković frei, doch der Abschluss ist harmlos. Kurz darauf hält Moritz Nicolas stark gegen Lennart Karl. Es ist nur ein Aufschub.
Kurz vor der Pause schlägt Konrad Laimer zu. Jackson erobert gegen Kevin Diks, Diaz sieht Laimer, Querlage, Bumms, 2:0. Die Allianz Arena kennt dieses Gefühl: Gegner eingesperrt, Halbzeitvorsprung sicher, Keeper wegen Adduktor-Problemen getauscht – Manuel Neuer winkt ab, Jonas Urbig kommt. Es ändert nichts am Spielfluss.

Reitz sieht rot, musiala trifft – und darf kapitän sein
Die Vorentscheidung fällt in der 57. Minute. Musiala und Jackson kombinieren, Rocco Reitz klammert, Schiedsrichter Robert Schröder deutet auf den Punkt und zeigt Rot. Musiala verwandelt, erzielt seinen ersten Liga-Treffer seit der Klub-WM-Verletzung und darf anschließend die Kapitänsbinde überstreifen. Symbolik pur: Der Wunderknabe wird zum Führungsspieler, während Gladbach mit zehn Mann die Restaufgabe lösen muss.
Kompany schont anschließend Energie, bringt Cardozo und Daiber, doch der Schongang ist kein Sparprogramm. Nicolas Jackson belohnt sich in der 79. Minute, Mayern-Absolvent Karl flankt, Jackson drückt über die Linie. Der Anschlusstreffer von Wael Moyha in der 89. Minute ist nur noch Statistik. Die Bayern haben 61 Prozent Ballbesitz, 17:5 Torschüsse, und vor allem: Selbstvertrauen für Bergamo.
Gladbach reist mit demselben Gefühl ab wie schon nach der 1:5-Pleite im Pokal: gegen Bayern reicht selten die reine Existenz. Die Fohlen rutschen auf Platz 12, müssen nun am Freitag gegen St. Pauli nachlegen. Die Bayern? Fahren am Samstag nach Leverkusen – und wissen, dass sie auch ohne Kane ein Spitzenensemble haben. Die Botschaft ist klar: Rotation ist kein Risiko, sondern eine Ressource. Und Jamal Musiala ist zurück – nicht nur als Torschütze, sondern als Anführer.
