Baumann versenkt hoffenheim – und sich selbst: 0:5 in leipzig wirft fragen für länderspiele auf
Oliver Baumann stand mit verschränkten Armen am Strafraum, als Leipzig zum fünften Mal einschob. Kein Schrei, keine Geste – nur das leise Knirschen einer Nacht, die seinen Namen in die Schlagzeilen schiebt, die er sich gerade nicht wünscht. 0:5 nach 90 Minuten, zum zweiten Mal diese Saison. Und das 72 Stunden vor dem ersten Ländersspiel des Jahres.
Die momente, die alles kaputtmachten
Was genau passierte? Minute 13: Baumann kommt raus, bleibt in der Zwickmühle zwischen Poulsen und Angeliño, Schlagabtausch per Kopf – 0:1. „Eigentlich haben wir extrem stark begonnen“, sagt er später, aber genau das macht die Geschichte so bitter. Denn Leipzig braucht nur zwei weitere Ballgewinne, bis das 0:2 fällt. „Das hat uns den Stecker gezogen“, gesteht der Nationalkeeper. Was danach folgt, ist kein Fußballspiel mehr, sondern ein Kollaps in Etappen.
Die Statistik dahinter: In den letzten sieben Auswärtsspielen kassierte Hoffenheim 25 Gegentore – mehr als jede andere Bundesligamannschaft. Gegen Leipzig trafen die Sachsen mit jedem dritten Torschuss. Baumann wehrte zwar sieben Schüsse ab, doch die Zahlen lügen nicht: Seine xGOT (Expected Goals on Target) lag bei 3,2, was bedeutet, dass er zwei zusätzliche Buden verhindern sollte. Für einen Nominierten des DFB-Kaders ist das ein Stimmungsbarometer, das kälter wird als die Märzluft in Leipzig.

Der bundestrainer schaut genau hin
Julian Nagelsmann nominierte Baermann trotz des ersten Fünfer-Packes gegen Frankfurt im November erneut. Nun folgt der zweite Debakel-Abend. Dabei wollte der 35-Jährige eigentlich Sicherheit versprühen – schließlich soll er gegen die Schweiz und Ghana die Reserve hinter Marc-André ter Stegen bilden. Stattdessen liefert er sich mit seinem Abwehrverbund ein Katz-und-Maus-Spiel ab, das die Maus gewinnt. „Wir waren nicht mehr gemeinsam füreinander da“, sagt Baumann. Das klingt nach Schuldeingeständnis.
Trainer Christian Ilzer spricht von einem „sehr, sehr bitteren Abend“. Die Wortwiederholung ist kein Stilmittel, sondern hilflose Ratlosigkeit. Ilzer fordert Selbstkritik, doch die muss Baumann allein erbringen – vor allem, weil Nagelsmann Wert auf Laufwege und Kommunikation legt, jene beiden Attribute, die gegen Leipzig komplett abhanden kamen.

Was das für die nationalelf bedeutet
Die DFB-Führung wird intern nicht über Personalentscheidungen sprechen. Dennoch ist klar: Baumanns Vertrauensvorschuss schrumpft. Ter Stegen ist gesetzt, Kevin Trapp wartet. Ein weiterer Patzer im Länderspieldoppel könnte die Reihenfolge endgültig kippen. Baumann selbst versucht, nach vorne zu schauen: „Die Nationalmannschaft tut immer gut.“ Doch selbst diese Feststellung tönt nach schwerer Arbeitsstunde statt nach Selbstverständlichkeit.
Die Zahlen aus der Saison: 54 Gegentore nach 27 Spielen, kein Bundesligakeeper kassierte häufiger. Baumann war einst der Stabilitätsanker der TSG, jetzt ist er Teil eines Systems, das sich selbst blockiert. Fragt sich nur, wie lange Nagelsmann Geduld mitbringt – und ob Baumann bis zur EM noch die Kurve kriegt.
Der Abend in Leipzig ist vorbei, die Reise zur Nationalelf beginnt. Für Oliver Baumann wird sie zum Test der Nerven. Er muss beweisen, dass 0:5 eine Ausnahme bleibt – sonst wird der nächste Kader ohne ihn auskommen.
