Baudin sprengt auftakt mit 32 sekunden gnade – seixas spielt u21-trumpf

146,2 km zwischen Vizille und Saint-Ismier, keine echte Höhe, aber ein echter Hammer: Alex Baudin katapultiert sich als einsamer Wolf in die Weltspitze. 32 Sekunden entschied er den Auftakt der Tour Auvergne-Rhône-Alpes vor der Gruppe um Ramses Debruyne – und das bloß die erste Etappe.

Der fluchtplan, der keiner war

Der 25-Jährige von Groupama-FDJ wollte eigentlich nur den Druck auf die Favoriten erhöhen, doch dann blieb er vorn. Kein Team wollte reagieren, alle rechneten mit einem Kollaps. Stattdessen rollte Baudin mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 42,8 km/h wie ein Expresszug über die Rhône-Alpen. Die Verfolger traten auf dem falschen Gang. „Ich habe gespürt, dass niemand zündet“, sagt Baudin im Ziel, noch immer mit Schweißperlen auf der Oberlippe und einem Blick, der zwischen Glück und Ungläubigkeit schwankt.

Georg Zimmermann wagte sich ebenfalls in die Frühentscheidung, doch der deutsche Meister musste früh abreißen lassen. Für ihn war es das letzte internationale Rennen im Trikot von Lotto Dstny – eine erinnerungswürdige, wenn auch kurze Flucht.

Seixas spielt die geduldskarte

Seixas spielt die geduldskarte

Während die Kameras auf den Jubel des Tages fokussierten, schob sich Paul Seixas wie ein Schatten auf Rang 17. 44 Sekunden Rückstand klingen nach Katastrophe, doch der 19-Jährige lächelt. Er weiß: Die Tour Auvergne-Rhône-Alpes ist nur sein Generalprobe vor der Tour de France. Und dort zählt kein Tagessieg, sondern die Gesamtwertung. Del Toro und Ayuso kamen übrigens im selben Zeitstrudel an, also steht alles noch offen.

Frankreich träumt lautstark vom ersten eigenen Tour-Gewinner seit Bernard Hinault 1985. Die Zahlen sprechen für Seixas: Baskenland-Rundfahrt im April, drei Etappen, Gelbes Trikot. Flèche Wallonne, Klassiker-Sieg. Nun also das Dauphiné-Nachfolgerennen – ohne Pogacar, Vingegaard und Lipowitz. Die Konkurrenz dürstet sich, doch Seixas kocht sein Pulver für den Juli.

Montag droht die extremstrecke

Montag droht die extremstrecke

234,3 km von Saint-Martin-le-Vinoux nach Le Puy-en-Velay – das ist die längste Etappe des achttägigen Spektakels. Welliges Profil, lange Fluchtstrecken, zwei Anstiege kurz vor dem Ziel. Die Frage lautet nicht, ob ein Ausreißer gewinnt, sondern: Wird es wieder Baudin sein? Die Antwort kommt um 16:30 Uhr – wenn das Tempo wieder nach oben schnellt und die Gruppe der Favoriten vielleicht diesmal zündet. Bis dahin trägt Alex Baudin das erste Gelbe Trikot seiner Karriere. Und er trägt es mit dem Lächeln eines Mannes, der weiß, dass manchmal 32 Sekunden für eine Karriere reichen.