Batistuta packt aus: „wir haben maradona verrecken lassen“

Gabriel Batistuta schlägt mit der Faust auf den Tisch. „Wir haben ihn sterben sehen und trotzdem weggeschaut.“ Der ehemalige argentinische Torjäger spricht erstmals offen über das Versagen der Generation von 1994 – und über sein eigenes.

Im Gespräch mit Rio Ferdinand, das am Freitag bei BT Sport läuft, wirft der einstige Stürmer von Florenz und Rom der Clique um Diego Maradona eine schwere Schuld vor: „Niemand hat ihm je einen Verbot erteilt. Keiner. Das war der Fehler.“ Die Worte kommen nicht in Rage, sondern mit der stoischen Ruhe eines Mannes, der seit Jahren mit dem Gedanken lebt.

„Er starb wie ein hund – und wir waren es“

Batistuta erzählt, wie Maradona in den Nächten vor WM-Spielen Koks-Linien auf dem Klo zog, während draußen die Bus-Motor lief. „Wir haben gelacht. Wir haben mitgemacht. Wir dachten, er sei unsterblich.“ Die Stimme wird leiser. „Dann lag er 2020 allein in einem Haus in Tigre, und keiner klingelte.“

Der 58-Jährige macht keine Pause zwischen den Sätzen. Es klingt wie ein Geständnis im Schnelllauf: „Ich war Kapitän. Ich hätte sagen müssen: Stop. Stattdessen hab ich ihm den Ball gegeben und zugesehen.“

Die Zahl 30.000 fällt. So viele Menschen kamen zur Beisetzung, aber keine von denen, die mit ihm Kabinentränen geweint hatten. „Wir haben ihn gefeiert, wenn er dribbelte, und verlassen, als er fiel.“

Der preis der heiligen kuh

Der preis der heiligen kuh

Argentinien verklärt Maradona bis heute. Batistuta will das nicht mehr mitmachen. „Wir haben aus ihm ein Gott gemacht, damit wir kein Mensch sein müssen.“ Die FIFA habe ihm 1994 die Bühne genommen, das Land aber nie die Verantwortung. „Dopingsperre? Fehlanzeige. Drogenentzug? Fehlanzeige. Stattdessen haben wir ihn nach Dubai geschickt, damit er weiter Autogramme gibt.“

Jetzt, da die Netflix-Dokus kommen und die Trikots für 1.200 Euro über Ebay laufen, sei leicht reden. „Aber die Wahrheit ist: Er ist an Einsamkeit gestorben, nicht an einem Herzinfarkt.“

Batistuta hat keine Lösung parat. Er endet mit einem Satz, der mehr klingt wie ein Fluch: „Wenn du jemanden liebst, stellst dich vor ihn. Wir haben uns hinter ihn gestellt – und weggeschaut.“