Bastoni kriegt ehrung für schwalbe – und das halb italien empört
Mailand, 13. März, 17:18 Uhr. Das kann sich kein Drehbuchautor ausdenken: Ein Verteidiger, der in der 93. Minute gegen Juventus ein Foul simuliert, sich Tage später via Instagram entschuldigt – und prompt den „Rosa Camuna“ der Lombardei kassiert, die höchste regionale Sportauszeichnung. Alessandro Bastoni also, 24 Jahre, Inter-Abwehrriese, steht ab sofort auf einer Liste mit Franciacorta-Winzern und Universitätsprofessoren. Die Begründung der Politiker: „Reife, Fehlerkultur, Respekt.“

Die fraktion „cornuti e mazziati“ meldet sich
Kurz vor der Abstimmung im Regionalrat platzt Franco Lucente, Juve-Fan und Verkehrsassessor, der Kragen. „Wenn wir jetzt Schwalben mit Orden bedenken, schlage ich vor, Mike Maignan-Kalulu posthum den Preis ‚Cornuto e mazziati‘ zuzuschustern. Er kam wegen eines Fouls vom Platz, das es nie gab.“ Lucente spricht von „perverser Signalwirkung“ und kassiert im Plenarsaal Applaus von Lega und PD – erstmals in dieser Legislatur.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit 1996 bekamen 312 Persönlichkeiten den „Rosa Camuna“. Kein einzige Fußballprofis wegen eines Spiels, das er selbst als Schwalbe eingestand. „Das macht Bastoni zum Pionier – oder zum Sündenbock“, sagt Sportsoziologin Marta Colzani. Die Inter-Verteidiger-Zentrale verweist auf über 3 200 Twitter-Blockaden in den ersten zwei Stunden nach der Bekanntgabe, der Hashtag #BastoniPremio trendete länger als #Scudetto.
Inter-Coach Simone Inzaghi duckt sich nach dem Training durch die Mixed Zone. „Ich gratuliere Ale. Wer sich öffentlich blamiert, muss auch öffentlich lernen – das ist Leadership.“ Dabei hatte Bastoni nach dem 1:0 gegen Juve noch geflennt: „Ich wollte nur den Zeitpunkt der Ecke rauszögern.“ Die Kameras hatten seinen Ellbogen gegen Kalulu längst in Super-Slow.
Kurios: Die Jury wertete genau diesen Clip als „Lehrstück Fairness“. Man habe „den raren Moment moderner Selbstreflexion“ geehrt, heißt es im Protokoll. Kritiker kontern mit einem anderen Moment: dem VAR-Bild, das Bastonis Grimasse zeigt, als Schiedsrichertoilette Maresca die Rote wieder kassiert. „Das ist keine Reife, das ist PR-Abteilung am Werk“, wettert Lucente, der mittlerweile 47 WhatsApp-Nachrichten von Juve-Fanclubs bekommt – alle mit demselben Emoji: eine Hand, die eine Ordensspange wegwirft.
Die Lombardei spaltet sich. In Bergamo spricht man von „Anti-Ethik-Preis“, in Brescia kandidieren bereits zwei Schüler-Teams für denselben Orden – weil sie nach einem Foulspiel eigenständig den Gegner zum Siegstreffer passierten. Die Region will die Statuten nicht ändern. „Wir fördern Fehlerkultur“, so Präsident Romani. „Auch wenn sie durch Schwalbe entsteht?“, kontert die Oppositionsfraktion.
Am Sonntag empfängt Inter Milan den AC Monza. Karten sind restlos ausverkauft – 75 000 Fans wollen sehen, ob Bastoni den Orden im Stadion präsentiert. Die Curva Nord plant eine Choreografie: eine riesige Schwalbe über dem Mittelkreis. Die Gästekurve kontert mit einem Spruchband: „Rosa Camuna? Rosa Bufala!“
Für Bastoni bleibt nur eins: weiterspielen. Die Trophäe steht bereits im Inter-Museum neben den Trikots von Zanetti und Milito. „Wenn ich meine Karriere beende, will ich diesen Pokal als Anfang, nicht als Höhepunkt“, sagt er leise. Dann rennt er zurück aufs Trainingsfeld – und trifft aus 25 Metern flach ins Eck. Keine Schwalbe, nur ein Tor. Die Macht des Sports: Er schreibt das nächste Kapitel, bevor die Politiker das alte verfilmen können.
