Barcelona zählt rückwärts: in 100 tagen flasht die tour de france katalonien

David Escudé sitzt im Radio-Studio, sprüht vor Energie. „Wir arbeiten seit Jahren auf diesen Moment hin“, sagt der Sportdeputierte der Stadt Barcelona. Noch 100 Tage, dann schlägt das Herz der Tour de France in Katalonien. Und die Stadt macht sich bereit, sich in Gelb zu hüllen.

Sicherheitsplan mit 19 kilometern gegen die uhr

Die waghalsigste Etappe: eine 19-Kilometer-Einzelzeitfahrt quer durch Barcelinas enge Altstadtstraßen. Mossos d’Esquadra, Guàrdia Urbana und Kommunalpolizisten aus Dutzenden Gemeinden haben dafür ein Drehbuch geschrieben, das sich jede Etappe neu justiert. Keine Standard-Route, sondern ein maßgeschneiderter Sicherheitskoffer, der von der Costa Dorada bis zum Sagrada-Família-Sprint passt.

Die Zahlen? Liegen noch im Geheimmodus. „Wichtigster“ nennt Escudé nur das Wort „immens“. Mehr verrät er nicht. Doch hinter den Kulissen kursiert ein interner Schaubild: 400.000 Zuschauer allein in Barcelona, 1,2 Millionen in ganz Katalonien, Hotels ausverkauft bis Girona. Die Generalitat plant zusätzliche Rodalies-Züge in 15-Minuten-Taktung, die Flughafenbehörde rüstet zwei provisorische Terminal-Zelte auf, um Ansturm und Hitze zu trennen.

Doch Escudé denkt weiter. „Wir wollen, dass Sport wieder en vogue wird“, sagt er. Nicht nur Profis, sondern auch die Kids, die heute noch mit E-Scootern durch den Besòs flitzen, sollen morgen auf Carbon-Rädern durchs Barri Gòtic sausen. Deswegen werden parallel zur Tour 42 Kilometer neue Fahrradstreifen gestampft – permanente, nicht temporäre Farbe auf Asphalt. Ein Nach-Olympia-Effekt à la 1992, nur diesmal auf zwei Rädern.

Sagrada família wird zur zieldurchfahrt

Sagrada família wird zur zieldurchfahrt

Der Clou der Präsentation: drei Bühnen, kein Dach. Teams präsentieren sich im Modernista-Komplex Sant Pau, fahren dann über die Passeig de Gràcia und finishieren direkt vor Gaudís noch unfertiger Basilika – genau am Tag, da der Turm Jesu seine letzte Steinblume kriegt. Escudé nennt es „ein Bild, das die Welt so schnell nicht vergisst“. Ein Bild, das auch Instagram sprengen wird.

Tarragona, Granollers, Garraf – alle bekommen ihr eigenes Stück Gelbes. Die Strategie: Touristenströme sollen sich verteilen wie Paella auf einem Teller. Die Küste liefert Sandbänke für Zuschauer-Tribünen, das Hinterland stellt Weinberge als Camp-Basis zur Verfügung. „Das Territorium ist bereit“, sagt Escudé und klingt dabei wie ein General vor der Schlacht.

Die Erinnerung an 1992 ist ihm Programm. Keine Tickets nötig, nur Sonnencreme und gute Schuhe. Die Stadt will sich in zwei Rädern verlieben – und sich selbst übertreffen. Wenn der Countdown bei Null landet, wird Barcelona nicht nur gelb leuchten. Sie wird glühen.