Barça wirft sevilla mit 5:2 raus – raphinha trifft dreifach
114.504 Stimmberechtigte wählten ihren Präsidenten, 114.504 Zuschauer sahen ein Schaulaufen. Der FC Barcelona eröffnete eine neue Tribüne, schraubte das Camp Nou auf Rekordkapazität – und lieferte sich trotzdem eine Nebensache ab. Denn was auf dem Rasen passierte, sprengte jede Routine: Sevilla wurde mit 5:2 demolieriert, Raphinha erzielte einen lupenreinen Hattrick, und Hansi Flicks B-Elf ließ selbst den zweifachen Europapokalsieger wie einen Regionalligisten aussehen.
Raphinha erledigt den rest früh
Die Gäste hatten gerade ihre Aufwärmrunden beendet, da lag die Kugel schon im Netz. João Cancelo, notgedrungen links eingesetzt, weil Balde nach Kreuzbandriss fehlt, provozierte zwei Fouls – beide Elfmeter. Raphinha versenkte sie kalt, eiskalt. Zwischen dem 1:0 und dem 2:0 lagen exakt 312 Sekunden. Dani Olmo erhöhte per Dropkick auf 3:1, Sekunden vor dem Pausenpfiff flog der Ball erneut durch die Maschen – diesmal zum 4:1 durch Cancelo selbst. Die Sevillistas, ohne gesperrten Trainer Matías Almeyda in der Coachingzone, wirkten wie ein Studententheater, das versehentlich auf der Hauptbühne steht.
Der zweite Durchgang war Formsache. Raphinha vollendete nach 67 Minuten einen Konter mit der Hacke – Tor Nummer 22 in dieser Liga-Saison, Rekordmarke seiner Karriere. Gavi, 203 Tage nach seinem zweiten Kreuzbandtrauma zurück, wurde eingewechselt und vom ganzen Stadion empfangen, als hätte er den Pokal schon in der Hand. Die 82. Minute gehörte ausschließlich ihm, das Mikro der Anlage zitterte, 100.000 Kehlen sangen seinen Namen. Dann kam Youssef En-Nesyri noch zum 2:5 – ein Schönheitsfehler, mehr nicht.

Machtverschiebung in der mitte spaniens
Mit zehn Spieltagen vor dem Finale liegt Barça vier Punkte vor Real Madrid. Die Statistik spricht für die Katalanen: In 17 Heimpartien kassierten sie nur acht Gegentore, erzielten 52 Treffer. Der Expected-Goals-Wert von 2,11 pro Spiel ist Liga-Bestwert. Noch wichtiger: Die Rotation funktioniert. Xavi Espart, 17 Jahre jung, debütierte auf rechts außen, spielte 87 Prozent seiner Pässe genau und gewann sechs Zweikämpfe – ein Jugendlicher, der wie ein Routinier wirkte.
Doch die Wahl bleibt offen. Joan Laporta, 2010 und seit 2021 am Ruder, liegt laut Insidern bei 54 Prozent der Stimmen, Herausforderer Víctor Font bei 42. Die Urnen schlossen um 21 Uhr, das Endergebnis wird gegen 23 Uhr erwartet. Ein Sieg auf dem Platz ist also kein Sieg im Büro – und schon gar kein Freifahrtschein für die sportliche Zukunft.
Für den deutschen Trainer Hansi Flick wird die Nacht kurz. Am Dienstag wartet im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League Newcastle United, nach dem 1:1 in St. James’ Park. Der Gegner kennt die Schwächen, die Medien kennen die Stärken. Aber wer einen Raphinha in Topform hat, braucht sich vor keinem Gegner zu verstecken. Die Saison ist noch lang, der Traum lebt – und der Rekord-Klub wählt nicht nur Präsidenten, sondern auch neue Geschichten.
