Morante bricht vier monate schweigen: drei tore, tränen, tabellenkrimi

Eloy Morante Maldonado trat Sonntag um 15:04 Uhr auf die Platte und spürte sofort: Das Hallenlicht schmeckt nach Chlor und Adrenalin. Nach 127 Tagen Reha, zwei Operationen und unzählenden Seiltanzübungen mit Oliver Schumachers Theraband war der 28-Jährige zurück – und traf dreimal gegen den SC Magdeburg. Die Punkte blieben trotzdem in Sachsen-Anhalt (25:27), weshalb seine Augen nach Abpfiff rotierten wie Handballscheiben.

Das comeback, das länger dauerte als eine handballsaison

Die letzte Aktion des Rückraumschützen datiert auf den 16. November. Syndesmoseband, gerissen. Diagnose: Saison aus, Kopf an. „Ich habe mir die Verletzung beim Abdruck gegen die Rhein-Neckar Löwen eingefangen, aber erst Wochen später begriffen, dass mein Körper eine komplette Neuausrichtung verlangt“, sagt Morante und zupft am Tape um seine rechte Fußwurzel. Drei Monate lang trug er eine Schiene, zwei Monate lang konnte er nicht laufen. „Dafür habe ich Krimis verschlungen und meine Mutter kennengelernt wie ein Erwachsener – per FaceTime-Kochkurs.“

Gegen Magdeburg brauchte Trainer Sebastian Hinze acht Minuten, bis er seinen spanischen Linkshänder warmpusten ließ. Morante antwortet mit einem Sprungwurf zum 6:5, einem Siebenmeter zum 13:13 und einem Kreisel-Tor in die rechte Ecke – 23:24, 52. Minute. Die Halle tobte, doch die Führung hielt nur 73 Sekunden. „Wir haben heute die Großen geschlagen, aber die Kleinen vergessen“, hadert Morante. „Ein verlorener Ball, ein verpasster Gegenstoß – das reicht gegen Magdeburg.“

Die fraktur der gefühle: jubel, wut, weiterkommen

Die fraktur der gefühle: jubel, wut, weiterkommen

In der Mixed Zone wirkt Morante wie ein Mann, der gleichzeitig lacht und weint – ein Emoji in Menschengestalt. „Reha ist ein einsames Handwerk. Aber ich hatte Elias Scholtes und Yannick Fraatz, die dieselben Schmerzskalen runterbeten. Wir haben uns gegenseitig auf Instagram gemobbt: Wer zuerst joggen kann, bezahlt Kaffeepause.“ Das Trio nannte sich „Syndes-Bande“. Am Sonntag standen alle drei im Kader, Scholtes sogar in der Startformation. „Das ist keine Hollywood-Geschichte, das ist Handball-Hölle mit Happy-End-Verdacht“, sagt Athletiktrainer Schumacher, der sich an 120 Tagen „Wann-darf-ich-wieder-springen“-Nachrichten erinnert.

Morante aber will nicht zum Symbol erklärt werden. „Ich bin kein Kreuzzug, ich bin ein Linkshänder mit erhöhtem Torquotienten.“ Die Tabelle spricht Bände: Bergischer HC auf Relegationsplatz 18., zwei Zähler hinter Gummersbach. „Wenn wir die Rest-Power aus dem Magdeburg-Spiel mitnehmen, kriegen wir die Lizenz für Liga eins. Ich sehe das wie einen Elfmeter in der 94. Minute – draufhalten, netzt einschlagen, umarmen, fertig.“

Am Mittwoch geht’s nach Berlin, am Samstag empfängt der BHC die Füchse. Morante wird wieder in der Startelf stehen, verspricht er. „Und wenn ich das nächste Mal heule, dann wegen zwei Punkten – nicht wegen drei Toren.“