Ballack schlägt zurück: warum der dfb bei der wm scheitern darf

Michael Ballack zückt den Kopfschutz und schickt die deutsche Fußball-Nationalelf mit einem Schlag in die Zange: Hohe Ziele sind Pflicht, Niederlagen sind erlaubt. „Jeder, der dort mitspielt, will gewinnen“, sagte der 49-Jährige in der Sky-Sendung „Triple – der Hagedorn-Fussballtalk“. Kein Mitleid, kein Ducken, stattdessen klare Kante. Für den einstigen Kapitän ist das Ausscheiden kein Makel, sondern Teil des Wachstums.

Die these: nur wer oben anklopft, lernt, was stahl braucht

Ballack redet nicht um den heißen Brei herum. Die DFB-Elf habe „eine Historie“, deshalb reiche das Überstehen der Vorrunde nicht. Für ihn zählt nur das volle Brett. Und wenn das Scheitern dazukommt? „Dann scheitert man halt. Das ist doch nicht schlimm.“ Keine Psychologie-Lehre, sondern Fußball-Rohkost. Wer sich auf Weltniveau bewegt, muss auch den K.O.-Tritt verkraften können.

Der 79-fache Nationalspieler sieht ein Kader-Paradox: „Deutschland hat ein paar richtig geile Kicker, aber auch eine Mannschaft, die nicht stabil ist auf diesem Niveau.“ Die Lösung lautet für ihn: Beißen, kratzen, fordern. Die Spieler sollen sich nicht hinter Taktik verstecken, sondern Persönlichkeit entwickeln. „An Ansprüchen wächst man“, sagt Ballack – und meint damit auch die, die sich selbst in die Kabine stellen.

Führung kommt von innen, nicht vom laptop

Führung kommt von innen, nicht vom laptop

Der ehemalige Bayern-Star fordert eine Hierarchie, die sich organisch entwickelt. „Wenn man sich den Kader anschaut und nach Führungsspielern sucht, gibt es welche, aber vielleicht nicht genug.“ Die Antwort: Charaktere, die laut werden, wenn der Rasen brennt. Ein Trainer dürfe das nicht erzwingen, sondern müsse den Spielfreund Raum geben – und gleichzeitig die Eier haben, Leistungsträger auf die Bank zu setzen, wenn nötig.

Julian Nagelsmann wird diese Woche seine Tickets für die WM-Kader-Präsentation in der zweiten Mai-Woche verteilen. Die Testspiele gegen die Schweiz und Ghana dienen als Endscheinwerfer. Ballack aber mahnt: Eine Liste allein reicht nicht. Die Chemie muss stimmen, und die entsteht nur, wenn sich die Truppe selbst aufspielt – nicht, wenn der Bundestrainer jede Woche neue Apps runterlädt.

Für Deutschland heißt das: Jetzt oder nie. Die nächste WM könnte die letzte sein, in der die alte Generation noch mitmischt. Ballack hat den Weg gewiesen: Risiko eingehen, scheitern dürfen, dafür aber auch den Pokal anheben, wenn der Moment kommt. Wer nichts wagt, tritt nur die Bälle im Kreis. Und das reicht auf Weltniveau hinten und vorne nicht.