Dhb-team zelebriert em-silber und schlägt ägypten – 79-tore-feuerwerk vor 12.000 fans
Die Westfalenhalle bebt, die Champagnerkorken knallen, 12.000 Kinder schreien sich heiser – und ich stehe mittendrin, statt bloß vom Sofa zu jubeln. Johannes Golla fuchtelt mit der Hand, als wolle er die EM-Silber-Erinnerung selbst aus der Videowürfel-Leinwand greifen. „Das Video hat einige Erinnerungen zurückgebracht“, sagt der Kapitän, und man spürt, wie der Januar in Dänemark für fünf Minuten wieder Realität wird.
Ein sieg, der mehr ist als zwei punkte
41:38 gegen Ägypten – kein Schreibfehler, sondern die Basketballisierung des Handballs. 79 Tore in 60 Minuten, das ist keine Partie, das ist ein Dauerfeuerwerk. Lukas Mertens schleudert die Bälle ins Publikum wie ein Popstar seine Drumsticks. „Das Beste war tatsächlich, die Bälle ins Publikum zu schleudern“, lacht er, während ein Junge neben mir seine Schuhsenkel zum Autogramm umdreht. Die Kids wissen nicht, dass dieses Spiel offiziell nur Testcharakter hat – für sie ist es schon die WM 2027.
Alfred Gislason allerdings kneift die Lippen zusammen. 38 Gegentore sind selbst gegen den afrikanischen Meister eine Bankrotterklärung für jede Abwehr. „41 Tore sind sehr gut, 38 zu kassieren, sind viel zu viel“, sagt der Isländer mit der Stimme eines Mannes, der lieber 25:24 gewinnt als 41:38. Die analytische Wahrheit: Deutschland traf aus sieben Meten glänzend, ließ aber im Rückwärtsgang die ägyptischen Kreisläufer zu Doppelpacks kommen. Zweimal bogen die Nordafrikaner den Rückstand von fünf Treffern auf eins zusammen – das wäre gegen Dänemark der 28:28-Endstand gewesen, nur mit Traumtore statt mit Happy End.

Juri knorr spielt sich in die wm-cloud
Dann nimmt Juri Knorr den Ball, spielt ein Solo der Extraklasse und schreit sich die Lunge aus dem Leib. Neun Tore, sechs Assists, null Reue. „Ich gewinne lieber so als 21:20“, sagt der 24-Jährige, und plötzlich versteht man, warum die DHB-Führung ihn schon jetzt als „Spielgestalter der Zukunft“ tituliert. Seine Tempogegenstöße sind nicht einfach schnell – sie sind unfair. Er lässt die Ägypter dastehen wie Schuljungen, die den Bus verpasst haben.
Die Botschaft dahinter: Deutschland kann auch dann noch gewinnen, wenn die Abwehr mal wieder den Anschluss verpasst. Das war 2024 bei der Heim-EM anders, da reichte am Ende ein Zittersieg gegen das ferne Island. Jetzt steht die Mannschaft einen Schritt weiter – und das nicht nur spielerisch. Die Fans lieben diesen offenen Schlagabtausch, sie lieben die Tore, lieben das Risiko. Die Westfalenhalle tobt, als hätte das Finale schon begonnen.

Champagner, gute-laune-band und die 300-tage-uhr
Danach die Party: Champagner für die Spieler, Apfelschorle für die Kids, „Gute Laune“-Coverband für alle. Der Verband schaltet eine Countdown-Uhr: 300 Tage bis zur WM. Golla stemmt die Silbermedaille in die Höhe, als wolle er sie noch einmal neu schmieden. „Wir haben 2024 erlebt, wie wir mit einer unerfahrenen Mannschaft von unseren Fans getragen wurden“, sagt er. Die Pointe: 2027 ist die Truppe nicht mehr unerfahren, sondern gestählt von Silber und Selbstvertrauen.
Am Sonntag kommt Ägypten wieder, dann Dänemark im Mai. Gislason wird die Abwehr neu justieren, Knorr wird weitermachen wie ein Jongleur, der die Schwere ausgehebelt hat. Und ich? Ich werde wieder in der Halle stehen, weil Handball so funktioniert: Erst die Show, dann die Arbeit – und irgendwann vielleicht das Gold. Die 79 Tore von Dortmund sind kein Endpunkt, sondern die Einladung, weiterzumachen. Wer jetzt aussteigt, verpasst die beste Zeit.
