Mainz tanzt auf europas bühne und schielt auf den keller

Null Punkte in der Liga, dafür ein Platz im Viertelfinale: Mainz 05 schreibt Geschichte und schraubt sich gleichzeitig tiefer in den Abstiegsstrudel. Die Kopfballgranate von Stefan Posch löst den ersten Jubelsturm aus, Armindo Sieb sorgt für die Entscheidung – 2:0 gegen Sigma Olmütz, erste Viertelfinal-Qualifikation der Vereinsgeschichte.

Der doppelte blick: europa rauscht, liga droht

Der doppelte blick: europa rauscht, liga droht

Trainer Urs Fischer atmet tief durch, dann lacht er, als hätte er das Spiel selbst entschieden. „Wir haben so viele Chancen herausgespielt, das war keine Glückssache, das war pure Lust.“ Die Lust währt sieben Minuten. Danach fällt der Satb, der in Mainz seit Wochen schwebt: Sonntag, 15.30 Uhr, Rhein-Main-Derby. Frankfurt gastiert, Mainz steht auf Relegationsplatz. „Wir haben ein enorm wichtiges Spiel“, sagt Posch, plötzlich wieder ganz Profi, „da wollen wir gewinnen.“

Die Arena wird kochen. Europa-League-Traum versus 2.-Liga-Schrecken. Danny da Costa kennt die Balance: „Straßburg wartet, Leipzig lockt – aber wer gegen Frankfurt verliert, fällt vielleicht endgültig.“ Die Statistik nagt: Kein Sieg seit dem 7. Spieltag, nur drei Tore in den letzten acht Liga-Partien. Dafür jetzt vier Europapokal-Siege in Folge. Die Mannschaft lebt in zwei Zeitzonen gleichzeitig.

Am 9. April empfängt Mainz Racing Straßburg, am 16. April folgt das Rückspiel im Elsass. Zwischen den Duellen Bremen und Freiburg – beides Sechs-Punkt-Spiele im Abstiegskampf. Fischer zuckt mit den Schultern: „Wir nehmen die Energie mit, aber die Liga verzeiht keinen Millimeter.“ Der Verein reist mit demselben Kader, derselben Anfangself, derselben Euphorie – und derselben Angst.

Am Ende bleibt ein Satz, der wie ein Mainzer Sommer klingt: „Wir dürfen träumen, aber wir müssen punkten.“ Leipzig ruft, der Keller auch. Wer zuerst antwortet, entscheidet die Saison.