Balla mit den wölfen: ballardini findet neue leidenschaft in avellino
Davide Ballardini, der erfahrene Fußballlehrer, hat in Avellino eine neue sportliche Heimat gefunden – und das mit einer überraschenden Offenheit und einem cineastischen Blick auf die Welt. Der 62-Jährige, der seine Karriere mit einer unkultivierten Bartpracht fortsetzt, spricht offen über seine Inspirationen und die besondere Bedeutung des Vereins für seine neue Aufgabe.
Ein filmfan mit leib und seele
Ballardini offenbart eine tiefe Leidenschaft für das italienische Kino. „Ich würde Totò und Alberto Sordi jeden Tag sehen, ich kenne ihre Filme auswendig“, so der Coach. Doch seine Vorlieben gehen weit über den klassischen Humor hinaus: „Auch die Filme von Fellini, Bertolucci und Visconti gehören zu meinen Favoriten.“ Ein Oscar? Den würde er gerne als „Nebendarsteller“ entgegennehmen – eine ironische Anspielung auf seine Rolle als Problemlöser im Fußball.

Mehr als nur ein verein: avellino als herz der provinz
Während andere Trainer möglicherweise die Distanz zum Verein wahren, spürt Ballardini eine tiefe Verbundenheit mit Avellino. „Es ist von außergewöhnlicher Bedeutung. Ich habe eine neue Umgebung kennengelernt, neue Orte. Ich dachte nicht, dass der Verein so wichtig für die Gemeinschaft ist. Das Team repräsentiert eine ganze Provinz, es gibt so viel Zuneigung und die Fans unterstützen uns überall.“ Diese Erkenntnis überraschte ihn positiv und hat seine Sicht auf den Fußball grundlegend verändert.

Die schattenseiten der serie a – und die hoffnung auf die zukunft
Ballardini kritisiert das moderne Fußballgeschäft in Italien scharf. „In Italien bestimmen Eigentümer und Agenten den Ton, Trainer haben weniger Einfluss. Das spiegelt sich in der Arbeit wider, denn der Spieler weiß, ob der Trainer zählt oder nicht.“ Er plädiert für eine Rückbesinnung auf die Rolle des Trainers als Pädagogen und Mentor, um die Entwicklung junger Spieler zu fördern. Die verpassten Weltmeisterschaften seien ein deutliches Zeichen dieser Fehlentwicklung.
Obwohl seine letzten Erfahrungen in der Serie A enttäuschend verliefen, blickt Ballardini zuversichtlich nach vorne. Er hat in der Serie B einen frischen Wind entfacht und das Team von einem Abstiegsplatz auf den zehnten Rang geführt. Die Aufgabe, den Klassenerhalt zu sichern, steht an erster Stelle, aber die Playoffs sind ebenfalls im Blickfeld.
Ballardini hat sich von den Taktiken von Trainern wie Gasperini, Juric und Palladino distanziert und betont, dass er sich eher von den Ideen von Sacchi und Guardiola inspirieren lässt. „Sacchi war eine Referenz für uns alle“, so Ballardini, „es gab Fußball vor Sacchi und Fußball nach Sacchi.“
Die Zukunft des Fußballs sieht er in einer zunehmenden Intensität und Schnelligkeit, geprägt von athletisch hochperformanten Spielern. Doch er warnt: „Es ist entscheidend, dass wir wieder auf Kompetenz und die Rolle des Trainers setzen, damit unsere Spieler sowohl als Mensch als auch als Athlet wachsen können.“
