Austin-wahnsinn: agius rastelt vietti ein, gonzalez klaut die krone

Ein Schauer, ein Kracher, ein Klassiker: In Austin schlug Senna Agius nach nur zehn Runden zu, riss Celestino Vietti in letzter Sekunde die Trophäe aus der Hand und schickte Manuel Gonzalez an die Tabellenspitze der Moto2-WM.

Die erste startphase endet im kuddelmuddel

Grün, Gas, Chaos. Noch vor der ersten Kurve räumt Jake Roberts seinen Teamkollegen Daniel Holgado ab, Sekunden später reißt Marcos Ramirez eine Haftpflicht-Kaskade los: Ferrandez, Garcia, Salac, Munoz, Alonso, Veijer – sieben Fahrer liegen zwischen Kies und Asphalt, Piqueras zieht sich einen Oberschenkelbruch zu. Die rote Flagge zischt, die Rennleitung kürzt auf zehn Touren. Drei Runden zuvor zählen nicht, Startaufstellung bleibt. Die Boxencrews atmen auf, die Piloten neu auf.

Beim Restart zieht Barry Baltus souverän weg, doch seine Führung hält keine zwei Minuten. Agius schlüpft an der Hang-Up-Hill vorbei, Vietti schraubt sich an Guevara vorbei auf Platz zwei. Die Boscoscuro schiebt wie auf Schienen, Vietti spürt den Geruch von Sieg – doch Agius gibt keen Meter nach. Drei Runden vor Schluss lässt Vietti die Bremsanker fallen, zieht im Ganges-Bogen innen vorbei, doch Agius kontert sofort. Das Duell kocht auf 300 km/h, bis Viettis Reifenquellen nachlassen. Der Australier trennt sich mit 0,146 Sekunden – ein Triumph, der ihm die Karriereversicherung einspielt.

Gonzalez sammelt, holgado versenkt

Gonzalez sammelt, holgado versenkt

Weit ab vom Podest liefert Manuel Gonzalez die Performance des Tages. Startplatz 17, weil die Reifendruck-Kontrolle seine gestrige Pole annuliert hatte. Was folgt, ist eine Aufholjagd wie aus dem Lehrbuch: frühe Risikobereitschaft, präzise Linien, keine Strafen. Platz fünf reicht, um dank Holgados 17. Rang die WM-Führung zu übernehmen. Der Spanier, bislang das Maß aller Dinge, sieht nach Austin plötzlich die gelbe Karte – 21 Punkte Rückstand, Saison halbwegs offen.

David Alonso, mit der zweitbesten Aufholung des Feldes, bewies, dass Aspar trotz Drama nicht aufgibt. Vierter Rang, 15 Punkte, Warnschuss an die Konkurrenz. Tony Arbolino blieb unter Radar, holt mit Rang zehn gerade noch die letzten Weltmeisterschaftszähler. Die Fahrer verabschieden sich mit schweißnassen Handschuhen, die Mechaniker mit schwerem Gepäck: neue Chassis-Listen, neue Reifenstrategien, neue Nerven.

Austin liefert das erste Großfeuerwerk der Saison – und den Beweis, dass in der Moto2 schon ein verunglückter Reifen das Blatt wenden kann. Wer jetzt nicht aufpasst, rutscht ab wie Holgado. Die WM ist längst keine Ein-Mann-Show mehr.