Atlético zittert um oblak: nur vier profis trainieren – barcelona rückt näher
Jan Oblak stapfte mit Trainingshandschuhen auf den Rasen, doch die Frage bleibt: Hält seine Schlagader dem Tempo von Xavi und Lewandowski stand? Der slowenische Torhüter, seit zwei Ligaspielen mit Oberschenkelproblemen außer Gefecht, absolvierte am Mittwoch eine individuelle Einheit mit Reha-Coach Óscar Pitillas. Der Klub will ihn spätestens für das Copa-del-Rey-Rückspiel am kommenden Mittwoch im Camp Nou auf Vordermann bringen. Zuvor lauert am Samstag Liga-Rivale Barcelona im Metropolitano.
Simeone schreit zu viert – und niemand hört
Die Szenerie wirkt skurril: Diego Pablo Simeone pfeift seine Übung, aber nur vier Feldspieler im Rot-Weiß folgen seinem Kommando. Seit der Länderspiel-Pause hat der Coach keine vollständige Mannschaft zur Verfügung. Ruggeri, der 19-jängige Verteidiger, fehlt weiterhin – und das, obwohl maximal drei Einheiten bis zum Samstag bleiben. Die Südamerikaner De Paul, Molina, Correa und Co. sitzen noch in Montevideo, Buenos Aires oder Bogotá; ihre Rückflüge hängen davon ab, wie viele Minuten sie heute Nacht für ihre Nationalteams absolvieren.
Die Uhr tickt. Die spanische Liga genehmigte keinen Spielaufschub, also muss Simeone improvisieren. B-Lizenz-Spieler und Jugendkräfte füllen die Lücken, während der Video-Analyst auf iPads die Barcelona-Laufwege vorbereitet. „Wir springen schnell, dann passieren Dinge“, schrie der Argentinier seinen Helfern zu – ein Appell, der mehr Selbstzweifel als Motivation klang.

Johnny cardoso landet mit fragezeichen
Am Nachmittag wird Johnny Cardoso in Madrid erwartet. Der US-amerikanische Mittelfeldspieler verließ die Gold-Cup-Partei gegen Trinidad bereits zur Pause, weil seine Wade zwickte. Atléticos Mediziner warten mit Ultraschall und Druckmessung auf, um eine Muskelüberlastung auszuschließen. Fällt er ebenfalls aus, könnte Simeone im Zentrum auf Saúl zurückgreifen, der selbst erst von einer Sprunggelenkblessur kommt. Die Kaskade von Kleinigkeiten droht zur großen Krise zu werden.
Die Zahlen sind hart: Seit 2021 verlor Atlético fünf der sieben Pflichtspiele, in denen Oblak fehlte. Gegen Barça kassierte man ohne ihn im Schnitt 2,3 Gegentore. Das Camp Nou ist ohnehin kein Ort für Experimente: In den letzten elf Duellen dort siegte Atlético ein einziges Mal. Die Fans spüren die Anspannung, die Tickets für Samstag sind trotz mickriger Heimform restlos vergriffen.
Der Klub schweigt offiziell zu Einsatzzeiten, doch intern ist die Marschroute klar: Oblak muss spielen, sonst droht ein Debakel. Die medizinische Abteilung setzt auf Kryotherapie und individuelles Sprinttraining, um die Reaktionszeit des Keepers bis Samstag auf Millisekunden zu trimmieren. Sollte die Schmerztherapie nicht greifen, würde Ivo Grbić zwischen die Pfosten rücken – ein slowenischer Ersatz, aber nicht die Wand, die Atlético braucht.
Die Königsklasse der Verletzungen, so nennen es die Physiotherapeuten, beginnt mit kleinen Faserrissen und endet mit großen Träumen, die platzen. Für Atlético steht viel auf dem Spiel: Der Pokal ist die realistischste Route zurück ins internationale Geschäft, nachdem die Liga-Platzierung schon sieben Punkte Rückstand auf die Champions-League-Ränge bedeutet. Ein Aus in der Copa wäre nicht nur sportlich, sondern auch finanziell ein Schlag – die TV-Prämien summieren sich auf 15 Millionen Euro.
Simeone wird bis zum Schluss pokern. Er kennt die Statistik, aber er kennt auch seine Spieler. „Wenn Oblak auf dem Feld steht, verliert selbst Barça den Glauben“, sagte er einmal. Ob diese Magie am Samstag wieder wirkt, entscheidet sich in den nächsten 48 Stunden. Der Countdown läuft – und Atlético hat nur noch eine Karte: seinen Kapitän zwischen die Pfosten setzen, bevor der Gegner die Lichter ausknipst.
