Atlético entlässt halbes team – simeone bangt um den saisonendspurt
14 Rojiblancos packen Koffer, vier Leistungsträger lahmen in der Reha – und Diego Simeone bleibt mit einem Notkader von fünf Feldspielern in Madrid zurück. Der Club, der in drei Wochen Barcelona, Bayern und Real Sociedad in Serie duelliert, erlebt vor dem Endspurt die größte Personaldezimierung seiner Geschichte.
Die argentinische sechserkette fliegt nach afrika
Seit Montag trainiert niemand mehr im Cerro del Espino. Julián Álvarez, Giuliano Simeone, Thiago Almada, Nico Ibáñez, Juan Musso und Nahuel Molina sammeln sich in Buenos Aires, dann geht’s nach Nouakchott und Lusaka. Die abgesagte Finalissima gegen Spanieland beschert dem Atlético nur ein zusätzliches Testspiel – und ein erhöhtes Verletzungsrisiko auf künstlichem Rasen in Mauretanien.
Die restlichen acht Nationen verteilen sich wie ein Puzzle über den Globus: Robin Le Normand trifft mit Spanien auf Serbien und Ägypten, Conor Gallagher (USA) tourt durch Lissabon und Brüssel, Alexander Sörloth misst sich mit den Niederlanden und der Schweiz. Mexiko ruft Obed Vargas, Uruguay José María Giménez, Nigeria Ademola Lookman und die Slowakei David Hancko. Fünf Kontinente, elf Zeitzonen – ein einziger Medizinmann in Madrid.

Majadahonda wird zur intensivstation
Während die Logistikabteilung Flugpläne jongliert, limieren Jan Oblak, Pablo Barrios, Javi Galán und César Azpilicueta in der Klinik. Oblaks Adduktorenzerrung war gegen Real die Initialzündung für die Jubelstimmung bei den Blancos. Azpilicueta laboriert an der Sprunggelenksbandscheibe, Barrios an der Patellasehne. Alle sollen innerhalb von zehn Tagen wieder auf dem Rasen stehen – theoretisch.
Praktisch rechnet Simeone mit einem Dauereinsatz von Antoine Griezmann und Koke, weil hinter dem Duo nur noch Le Normand, Alan Ruggeri und Clement Lenglet zur Verfügung stehen. Ruggeri, 20, durfte bisher 17 Minuten in LaLiga spielen – jetzt soll er den Abwehrverbund gegen Lewandowski und Musiala stabilisieren.
Der Coach versuchte, die Lage herunterzuspielen: „Dieser Parón serviert uns als Generalprobe für das, was kommt.“ Tatsächlich kommt ein Programm, das selbst beim FC Barcelona kalte Schweißperlen erzeugt: Liga-Kracher gegen Barça, Doppelpack mit dem FC Bayern im Viertelfinale der Champions League und das Copa-del-Rey-Endspiel gegen Real Sociedad – alles innerhalb von neun Tagen im April.
Die medizinische Abteilung rechnet mit mindestens zwei Rückfällen. Die Statistik gibt ihr recht: Seit 2020 verlängerte sich die Ausfallzeit Atlético-Spieler nach Länderspielreisen um durchschnittlich 38 Prozent. Die Tendenz steigt, weil die FIFA-Load-Management-Software Spieler mit mehr als 210 Flugminuten automatisch auf die Warnliste setzt – bei Atlético sind es aktuell zwölf Profis.
Sollte Oblaks Reha verzögern, steht Dani Gil aus der U21 vor dem Liga-Debüt. Der 19-Jährige kennt das Bernabéu nur aus dem Fan-Block – nun wäre er der letzte Bulwark zwischen den Pfosten. Die Ironie: Gerade der Klub, der tiefste Kader der Simeone-Ära zusammengekauft hat, schlittert ins Engste, weil die Nationaltrainer ihm die Spieler klauen.
Am 29. März kehren die ersten Südamerikaner zurück. Dann wird klar, ob das Warten auf den Endspurt zur Schadensbegrenzung oder zur Saisonkatastrophe wird. Die Wette: Wer bis dahit gesund ist, gewinnt die Meisterschaft. Die Wahrheit: Atlético muss zuerst einmal elf fitte Profis aufs Feld bekommen.
