Atlanta hawks: mit 10 siegen in serie zurück im playoff-rennen – johnson glänzt, risacher stolpert
Die Atlanta Hawks haben die NBA-Welt aufgeschreckt: Zehn Siege nacheinander, 37:31-Bilanz, nur 1,5 Spiele hinter Platz fünf im Osten. Jalen Johnson liefert Triple-Doubles im Akkord, Coach Quin Snyder zieht die Strippen – und doch nagt ein französischer Riss am Glanz.
Die sonne über georgia scheint, aber der schatten heißt risacher
Der 20-jährige Zaccharie Risacher, Pick #1 im Draft 2024, sitzt viertelübergreifend auf der Bank. Zehn Minuten gegen Orlando – das war’s. Statt Fragen nach dem nächsten Schritt folgen Rufe nach Stephon Castle, dem Rookie der Spurs, den Atlanta hätte nehmen können. Die Trefferquote des Franzosen ist eingebrochen, sein Selbstvertrauen sichtbar angeknackst. Snyder bürgt öffentlich: „Er ist 20, wir bleiben dran.“ Die Frontoffice-Entscheidung, die Team-Option für Jahr drei schon jetzt zu ziehen, wirkt wie ein Seufzer: Wer braucht schon ein weiteres Tanking-Projekt?
Dabei war Risacher vor zwölf Monaten noch der Jackpot, den man sich nach dem Ende der Trae Young-Ära einsteckte. Young ging nach Washington, zurück kam CJ McCollum plus Schütze Corey Kispert. McCollum soll Mentor sein, Kispert Spacing liefern – und Risacher drängt sich dadurch noch weiter ins Abseits. Die Ironie: Atlanta tankte nicht, weil der Draft angeblich keine Wissenschaft ist. Jetzt lernen sie live, dass er eben doch eine Lotterie bleibt.

Johnson ist der neue johnson – nur moderner
Während Risacher zappelt, liefert Jalen Johnson die Argumente für ein neues Kapitel. 23 Punkte, 10,4 Rebounds, 8,1 Assists – das ist All-Star-Niveau, nicht „viel versprechend“. Seine 13. Triple-Double der Saison kam gegen Orlando, direkt im Anschluss an die Karriere-Bestleistung von Nickeil Alexander-Walker (41 Punkte). Johnson ist kein „Iso-Joe“ wie der namensgleiche Vorgänger, er ist Schwiss-Arm, Vorlagen-Rad und Verteidigungsanker in einem. Dass er erst 24 ist, macht GMs in ganz Florida nervös.
Snyder nutzt ihn als universelles Scharnier. Ballbewegung vor Egos – das Mantra des Coaches. Gegen die Magic gab es 32 Assists bei nur neun Ballverlusten. So spielt ein Team, das sich selbst nicht mehr als Aufbaugefährt sieht, sondern als ernsthafte Bedrohung für Cleveland, Boston und Co.

Die straße der zehn siege – ein blick aufs gaspedal
Die Gegnerliste liest sich nicht nach Galaktikern: Brooklyn zweimal, Washington zweimal, Portland, Philly ohne Embiid, Milwaukee zweimal – einmal ohne Giannis. Doch in der NBA ist jeder Sieg ein kleines Stück Geografie: Rück-zu-Rück-Spiele, Langstreckenflüge, Hotelwechsel nach 2-Uhr-Ankunft. Atlanta hat diese Marathonserie zum ersten Mal seit 2014/15 geschafft. Das nächste Opfer heißt Dallas, ebenfalls kein Unbesiegbarer. Sollten die Hawks auch dort gewinnen, rückt Platz vier in Reichweite – und mit ihm Heimvorteil in der ersten Runde.
Die Östliche Konferenz ist so offen wie selten. Die Celtics taumeln mit Verletzungspech, die Knicks suchen Rhythmus, die Bucks wackeln. Atlanta spürt den Luftzug der Möglichkeit und atmet tief durch. Kein Tanking, kein Aufgeben, nur ein neuer Schwung – angeführt von einem Coach, der mehr ist als ein Motivationsshirt, und einem Star, der endlich ein Gesicht hat.
Für Risacher bleibt die Betonbank ein Lehrstuhl. Ob er darauf noch lange sitzt, entscheidet sich zwischen den Ohren. Die Hawks fliegen bereits – mit oder ohne ihn.
