Ancelotti zieht die notbremse: neymar landet auf 55er-liste, doch brasiliens wm-plan droht zu kollabieren

55 Namen, ein Superstar und ein italienischer Perfektionist unter Zeitdruck: Carlo Ancelotti hat seine Vorauswahl für die WM in den USA geschickt, doch die brasilianische Truppe wackelt schon vor dem ersten Training. Die Bombe: Neymar steht wieder auf der Longlist – rein symbolisch, warnen Insider, denn seine Knie sind ein offenes Geheimnis. Der eigentliche Knaller kommt aus London und trägt das Trikot des FC Chelsea.

Estêvãos oberschenkel wird zum dominostein

Der 19-jährige Flügelflitzer Estêvão zog sich einen Muskelfaserriss zu, der ihn laut CBF-Arzt Rodrigo Lasmar mindestens acht Wochen außer Gefecht setzt. Damit rutscht Ancelottis 5-9-Schema – fünf Sechser, neun Stürmer – ins Wanken. Die Lücke rechts könnte Rayan füllen, der Bournemouth-Neuzugang, der seit Januar fünf Tore in 13 Premier-League-Spielen erzielt hat. „Er hat den Killerinstinkt, aber noch keine 90 Minuten Dauerdruck auf internationalem Parkett“, sagt ein Betreuer aus dem Lagertunnel.

Die Absage von Rodrygo (Kreuzband-OP im März) hatte Ancelotti bereits einkalkuliert. Doch mit Estêvão fehlt nun der einzige Rechtsfuß, der im 4-3-3 diagonal zwischen Außenbahn und Zentrum wechseln kann. Alternative: Umstellung auf 4-4-2 mit Vinicius und Endrick im Sturmzentrum und Raphinha als zusätzlichem Achter. Das wiederum würde Andrey SantosHoffnung begraben – der 20-Jährige vom Chelsea-Kader rangiert intern hinter Casemiro, Fabinho, Bruno Guimarães und Lucas Paquetá.

Neymar bleibt ein pr-faktor

Neymar bleibt ein pr-faktor

Seit Ancelotti im Januar das Ruder übernahm, landete Neymar bei jeder vorläufigen Liste auf dem Papier – nie im Flieger. Die CBF will keine Wellen vor dem Sponsorentreffen am 20. Mai. „Er ist Markengesicht, nicht Matchplan“, sagt ein Verbandskreis. Selbst wenn der Knöchel mitspielt: In der Kabine gilt Pedro vom Flamengo als heißer Kandidat. 16 Tore, vier Vorlagen in 29 Pflichtspielen, null Länderspielminuten – die Quote spricht lauter als jedes Marketing-PowerPoint.

Die endgültige 26er-Liste verkündet Ancelotti am Montag, 18. Mai, 48 Stunden vor dem Abschlusstraining im Granja Comary. Testspiele gegen Panama (31. Mai, Maracanã) und Ägypten (6. Juni, Cleveland) sollen die letzten Fragezeichen tilgen. Dabei steht mehr auf dem Spiel als nur ein Turnier: Die Seleção hat seit 2002 keinen Weltmeistertitel mehr geholt, und die Druckkammer in New Jersey beginnt am 13. Juni gegen Marokko. Wer dort nicht läuft, wird in Rio nicht mehr erwähnt.

Die Zahlen sind gnadenlos: 55 Kandidaten, 26 Plätze, zwei verletzte Leistungsträger – und ein Trainer, der wissen will, ob sein System unter Feuer standhält oder mit ihm zusammenbricht. Brasilien reist als Titelaspirant, doch in Ancelottis Kopf kreisen schon die Szenarien der Niederlage. Seine einzige Konstante: Er wird nicht mit 27 Spielern nach Amerika fliegen, egal wie laut der Twitter-Trend #NeymarNaCopa schreit.