Leibenath räumt in ulm nach 15 jahren das büro – bayern zieht die kasse

Nach 15 Jahren, einem Meister-Titel und drei verpaszen Finals wirft Thorsten Leibenath das Handtuch in Ulm. Der 52-Jährige wechselt als Geschäftsführer zum FC Bayern München – und lässt in der Donaustadt eine Lücke, die größer ist als jede Nachverpflichtung.

Die Meldung kam kurz vor dem Playoff-Auftakt, als die Spieler noch Tape an den Fingern rollten. Herbert Hainer persönlich bestätigte den Coup: „Thorsten kennt jeden Talent-Pass, jede Klausel, jeden europäischen Agenten. Genau das brauchen wir.“ Dragan Tarlac hatte den Posten nur 24 Monate gefüllt, bevor er aus familiären Gründen kündigte – ein Seitenwechsel, der in München als Neuanfang und in Ulm als Tiefschlag gilt.

Der architekt von europas heimlichem kraftwerk zieht ab

Unter Leibenath verwandelte sich Ratiopharm Ulm vom Provinzklub zur Adresse für NBA-Springpferde: Noa Essengue, Juan Núñez, Pacôme Dadiet – alle starteten sie am kleinen Campus am Rande der Schwäbischen Alb. Drei Pokalfinals, zwei Vizemeisterschaften als Coach, 2023 endlich der Kranz – danach wechselte er hinter die Kulissen und baute ein Scouting-Netz, das selbst den FC Barcelona neidisch machte.

Jetzt also München: größeres Budget, größerer Druck. Die Bayern verpassten die Euroleague-Playoffs haushoch, Svetislav Pesic tritt ohnehin ab. Die Frage ist nicht, ob Leibenath liefert, sondern wie schnell. Erste Aufgabe: einen neuen Coach. Anton Gavel ist heiß, weil er mit Leibenath 2023 in Ulm gemeinsam feierte – und weil er die Bayern-DNA als Ex-Spieler trägt.

Ulm droht ein sommer voller faxen

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Die Schwaben müssen nun Sportchef, Teamchef und wohl auch zwei Leistungsträger ersetzen. Die Verträge von Isaiah Whitehead und Kevarrius Hayes laufen aus, beide warteten auf Leibenaths Entscheidung. Jetzt zieht der Kapitan an Land ein, während das Schiff noch auf offener See steht. Präsident Klaus Schweigert klingt trotzig: „Wir haben das größte Talent-Depot der Liga. Keiner ist größer als der Klub.“ Die Fans kaufen es ihm gerade nicht ab – auf Twitter kursiert ein Bild des leeren Büros mit der Überschrift „Ende einer Liebe“.

Die Playoffs starten trotzdem am Mittwoch. Ulm trifft auf Bonn, München auf Berlin. Leibenath sitzt noch auf der Ulmer Bank, aber seine Gedanken dürften schon an der Isar schwimmen. Wenn die Reihe „Game Over“ auf dem Videowürfel erscheint, wird er sich nicht umsehen. Er hat nicht einmal ein Büro mehr, das er abschließen könnte.