Asv cham: 30 spiele, kein heimverlust – die rekordserie droht zu platzen
30 Gegner reisten seit April 2024 nach Cham – alle kamen mit leeren Händen zurück. Die Bayernliga hat einen Geheimfavoriten, der kein Geheimnis mehr ist: Der ASV läuft im eigenen Stadion auf, als wäre das Tor ein Magnet und der Ball aus Teflon.
Die niederlage von abtswind liegt 22 monate zurück
Michael Plänitz spricht leise, aber deutlich: „Heimspiel heißt für uns drei Punkte.“ Der 38-jährige Abwehrspieler, Co-Trainer und sportliche Leiter trägt die Serie wie ein Tattoo auf der Brust. 1:2 gegen Abtswind – das war’s. Seitdem kassierte der ASV in zehn Partien gerade einmal sechs Gegentore. Die Null stand zuletzt beim 1:0 gegen Neudrossenfeld, zum Jahresauftakt. Statistik? Nein, Psychologie. „Die Gegner reisen mit Respekt an, wir sind im Flow.“
Draußen sieht die Welt anders aus. Mehr als zwölf Auswärtspleiten in 18 Monaten lassen Platz vier wie ein Wunder erscheinen. Cham ist kein Tabellenführer, Cham ist ein Phänomen. Die eigenen Fans singen „Plätze 7-5-4“ wie eine Litanei, während die Spieler im Kabinengang das Motto „Zuhause gewinnen, woanders schauen wir mal“ an die Wand pinnten.

Regionalliga-lizenz? erstmal baustelle statt champagner
Platz zwei winkt, damit die Relegation. Der Klub arbeitet schon mit dem BFV, aber das Trainingszentrum ist nicht tauglich, die Haupttribüne abgerissen, die neue soll zwei Jahre brauchen. Provisorium auf der Gegenseite? „Wir müssten sehr schnell eine Lösung hinzimmern“, sagt Plänitz und klingt dabei, als würde er gerade den Rasen mähen. Geht nicht, gibt’s nicht – das ginge aber ganz schön ins Geld.
Die Spieler reden nicht über Aufstieg. Sie reden über März. Drei Wocenden, neun Punkte. „Erst mal ziehen, dann rechnen“, lautet der interne Spruch. Dazwischen hängt die traurige Nachricht von Andre Adkins: Achillessehnenriss, Saison vorbei. Der 29-Jährige erlebte den Auftaktsieg nur 90 Minuten lang – danach Krücken, kein Training, keine Tribüne, keine Provisorien.
35 Punkte stehen auf dem Konto, 40 gilt als Saisonziel. Die Marke wird fallen, spätestens am fünften März-Spieltag. Dann rückt die 24-Monats-Marke in Sichtweite – zwei Jahre ohne Heimniederlage, das gibt’s in der Bayernliga Nord zum letzten Mal 1978 beim VfB Helmbrechts. Die Chamer wissen: Geschichte schreibt sich nicht mit Sanierungsplan, sondern mit Siegen. Der Gegner heißt dann Bamberg, die Uhr läuft. Wer in Cham gewinnt, bekommt nicht nur drei Punkte – der bekommt ein Stück Fußball-Geschichte geschenkt. Und die Baustelle? Die kann warten, der Rasen nicht.
