Araújo entfacht wembley-furor: tritt gegen foden bleibt folgenlos
London, 90 Millionen Fernsehzuschauer, Minute 50 – und kein Rot. Ronald Araújo wirft sich in einen 50-50-Ball, trifft Phil Foden am Sprunggelenk, Wembley schreit, ITV-Kommentator Ian Wright brüllt ins Mikro: „Das ist Beinbruch-Foul!“ Doch Schiedsrichter Sven Jablonski zückt nicht einmal Gelb.
Tuchel tobt, southgate schluckt – und der var bleibt stumm
Thomas Tuchel rastet vollkommen aus, schlägt sich die Hand an die Stirn und deutet auf den uruguayischen Trainerstab. Foden rollt sich, bleibt aber auf dem Feld – fünf Minuten später zieht der deutsche Bundestrainer ihn trotzdem runter. „Ich riskiere keinen zweiten Schlag“, sagt er später, ohne den Namen Araújo auszusprechen.
Die Bilder laufen im englischen Free-TV rückwärts, immer langsamer, immer brutaler. Harry Maguire skaliert die Wut: „Wenn du so was siehst und nicht Rot gibst, bist du auf dem falschen Job. WM in zwei Monaten und so ein Pfiff passiert – das ist enttäuschend.“ Paul Robinson bei BBC Radio 5 Live spitzt zu: „Je öfter man die Szene sieht, desto schlimmer wird sie. Araújo donnert ihn weg.“
Doch das System bleibt stumm. VAR-Offizier Bastian Dankert meldet sich nicht, weil Jablonski laut Protokoll „keine klare Fehlentscheidung“ getroffen habe. Die Statistik lügt nicht: Uruguay kassiert nur zwei Gelbe Karten im ganzen Spiel, England fünf. Die Empörungswelle schwappt in sozialen Netzwerken über den Atlantik zurück nach Barcelona.

Kampfansage statt reue – araújo nutzt den tumult
Während in London Jurys aus Experten die Sauberkeit der Intervention debattieren, dreht Araújo am Mikrofon den Spieß um: „Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können. Den Ausgleich haben wir uns erkämpft, sogar fast den Sieg.“ Kein Wort der Entschuldigung, keine Rückfrage zur Szene – nur die Selbstgewissheit eines Innenverteidigers, der weiß, dass er in der Nachspielzeit noch mit der Schulter das 1-1 vorbereitet hat.
Der verdiente Punkt für Uruguay verflüchtigt sich schnell im Nachrichtenrauschen, bleibt die Frage: Hätte Dankert eingreifen müssen? Die IFAB-Regel 12 spricht von „exzessiver Gewalt“, die rote Karte rechtfertigt – doch die fehlende Rote bleibt. Die FIFA wird das Protokoll prüfen, eine Sperre für Araújo gilt als unwahrscheinlich.
Wembley verlässt mit einem Gefühl: Unvollständigkeit. England dominiert 70 Minuten, kassiert spät den Ausgleich – und diskutiert am lautesten über ein Foul, das nicht bestraft wurde. Die Zahlen sind hart: Foden verlor nach dem Tritt 40 Prozent seiner Sprintfrequenz, lief nur noch 7,8 km/h Spitze statt zuvor 9,4. Die Physios wissen, wie knapp eine Verletzung vorbeiging. Der Rest ist Emotion – und bleibt in den Köpfen hängen, lange nachdem der Schiri pfeift.
