Antonelli landet in bologna: erster f1-sieg wirbelt emotionen und pläne hoch
Kimi Antonelli spricht kaum ein Wort, ohne dass ein Mikrofon dazwischenfährt. Kaum rollt die Maschine in Bologna aus, wartet schon der nächste Fragenkordon. Er lächelt, doch die Stimme zittert leicht: „Bisher war das der schönste Tag meines Lebens.“
Der sieg in shanghai löst eine kettenreaktion aus
Die 23 Stunden Reise von Shanghai nach Emilia-Romagna hat ihn nicht müde gemacht. Im Gegenteil. Der 19-Jährige wirkt, als würde ihn ein Ventil nach oben drücken. „Ich habe geträumt, auf dem obersten Podest zu stehen, seit ich mit fünf Jahren den ersten Kart geschnallt habe. Jetzt ist das Bild real – und trotzdem kommt mir alles wie ein GIF vor, das unendlich oft wiederholt wird.“
Die Nummer 12 auf der Mercedes-Seitenbox war innerhalb von 48 Stunden zur Ikone mutiert. Jannik Sinner, frisch mit Indian Wells-Sieg im Gepäck, schickte noch vor dem Frühstück eine Sprachnachricht: „Kimi, aufgewacht und sofort an dich gedacht.“ Antonelli schüttelt den Kopf: „So etwas schlägt ein wie ein zweiter Startschuss.“

Mama pomaro hatte gramigna statt tagliatelle parat
Veronica Pomaro wartet hinter der Absperrung, Sekt in der Hand, Tränen in den Augen. „Ich habe Gramigna al ragù gekocht, seine Lieblingssosse seit der Minikart-Zeit“, sagt sie und lacht das typische Mutterlachen: dankbar, ein bisschen schuldbewusst, weil Sohnemann plötzlich Tagliatelle bestellt. „Kimi lacht zurück: „Ist egal, Hauptsache selbstgemacht.“
Zwischen Kamerateams und Sicherheitsleuten entsteht eine kleine Privatbühne. Antonelli küsst die Stewardess auf die Wange, umarmt einen Mechaniker, der extra aus Brackley angereist ist, und verschickt Selfies, bevor er überhaupt die Gepäckausgabe verlassen hat.
Der nächste gegner trägt keine startnummer, sondern heißt druck
Fragen nach dem Titel? Er weicht nicht aus. „Wenn du dieses Level erreichst, willst du es komplett ausschöpfen. Weltmeister klingt abgedroschen, aber genau das ist die Krone. Und diese Krone wiegt.“ Er zuckt mit den Schultern. „Mein Ingenieur sagt, die Aerodynamik der W13-Weiterentwicklung passt. Ich merke, dass ich pro Runde zwei Zehntel mutiger werde. Das rechnet sich.“
Statistiker werfen ein: Seit 1996 schaffte nur ein Fahrer unter 21 Jahren den Sprung auf die Krone. Antonelli kennt die Zahl, ignoriert sie. „Statistiken sind ein Rennen vor dem Start schon veraltet.“

Suzuka gilt als gradmesser – und als mentaltest
In sieben Tagen geht es nach Japan. Suzuka war 2023 seine erste Q3-Qualifikation, damals noch als Ersatzfahrer. „Die ‚S‘-Kurve verzeiht keinen Millimeter, das ist wie eine Achterbahn, die dir gleichzeitig die Reifen wegreißt“, beschreibt er. Die Strecke fordert präzise Aerodynamik, seine Stärke. „Wenn wir dort vorne mitmischen, wissen alle, dass der Speed dauerhaft da ist.“
Dann verabschiedet er sich mit einem Satz, der klingt, als hätte er ihn schon vor Jahren zurechtgelegt: „Ich bin nicht hier, um eine Geschichte zu erzählen. Ich bin hier, um eine Serie zu starten.“ Die Türen zum Terminal schließen sich, draußen tobt weiter das Flashes-Gewitter. Bologna atmet – und die Formel 1 auch.
