Anna hollandt fliegt ins aus: letzter sprung in vikersund wird zur legende

Nach Katharina Schmid verlässt auch Anna Hollandt die Schanze. Am Wochenende springt die 29-Jährige in Vikersund zum letzten Mal – und wird dabei Geschichte schreiben.

Ein abschied, der länger fliegt als alle anderen

Ein abschied, der länger fliegt als alle anderen

168 Weltcup-Starts, zwei Weltmeistertitel, ein Weitenrekord von 176 Metern. Doch die Zahl, die bleibt, ist eine andere: 29 Jahre Leidenschaft, hartes Training, unzählige Flüge in die Unberechenbarkeit der Luft. „Für mich ist es eine Riesenehre, mit dem Skifliegen aufzuhören“, sagt Hollandt. Als Frau sei das keine Selbstverständlichkeit. Sie spricht es aus, was viele denken: Männer fliegen, Frauen springen – ein verstaubtes Bild, das Hollandt Jahre lang riss.

Der Deutsche Skiverband bestätigte am Mittwoch, dass Hollandt nach dem zweiten Skifliegen in Vikersund ihre Karriere beendet. Der Termin ist Programm: Vikersund, die Hochburg der Flugschanzen, wo die Luft dünner und die Flüge länger sind. Dort will sie ihre Kolleginnen noch einmal mitreißen, vielleicht sogar den eigenen Rekord einstellen. „Richtig cool wäre es“, sagt sie lachend. Aber der Druck bleibt draußen. „Ich will einfach die Zeit in der Luft genießen.“

Die Bilanz liest sich wie ein Lehrbuch des modernen Skispringens: Mixed-Gold 2021 in Oberstdorf, Team-Gold 2023 in Planica. Doch hinter den Medaillen steht eine Athletin, die sich nie in die erste Reihe drängte. Stattdessen wurde sie zur Stütze des Teams, einer, die in der Lufthülse die Ruhe behielt, wenn andere zitterten. „Die Zeit mit den Mädels und dem Trainerteam werde ich genießen“, sagt sie. Ein Satz, der klingt wie ein Versprechen an sich selbst: Noch einmal Gemeinschaft spüren, bevor die Schanze still wird.

Am Sonntag wird sie landen. Nicht weil sie muss, sondern weil sie kann. Und weil sie weiß: Manchmal ist der letzte Flug der schönste. Dann wird die 176-Meter-Marke nur noch in den Statistiken stehen. Aber die Frage, wie weit eine Frau fliegen kann, wird bleiben – und Anna Hollandt hat die Antwort längst geliefert.