Ankermann knackt nordderby-rekord und trainiert schon mit dhb-stars

18 Jahre, 226 Tage – und jetzt auch noch Teil des deutschen Nationalkaders. Rasmus Ankermann hat am Wochenende nicht nur den THW Kiel zum 37:33-Sieg gegen Flensburg geführt, sondern sich auch mit Oscar von Oettingen den Titel des jüngsten Nordderby-Torschützen aller Zeiten geteilt. Das Timing ist perfekt: Kurz nach seinem Rekordtor durfte der Rückraumtalent als Trainingsgast beim DHB reinschnuppern.

Die Zahl ist kein Zufall. Sie steht für einen Angriff auf die etablierte Ordnung. Als Ankermann am Samstag ins Spiel rotierte, ahnte niemand, dass er sich damit in die ewige Bestenliste eintragen würde. Sein Treffer zum 27:26 war nicht nur die Führung, es war auch die Vollendung einer Jugendkarriere, die seit Jahren auf diesen Moment zulief.

Der rekord ist nur der anfang

Der rekord ist nur der anfang

Henri Pabst, Stefan Schröder, Mykola Bilyk – alle standen einst in derselben Liste, aber keiner von ihnen war schon zwei Tage später im Trainingslager der Nationalmannschaft. Bundestrainer Alfreð Gíslason hat den Kieler U20-Nationalspieler zu sich eingeladen, um ihn an der Seite von Julius Kühn und Johannes Golla auflaufen zu lassen. Die Botschaft ist klar: Wer in einem Nordderby trifft, darf auch gegen Frankreich ran.

Der THW selbst nutzt die Aufmerksamkeit. Nach dem Spiel ließ Geschäftsführer Thorsten Storm durchblicken, dass man den Vertrag des Youngsters „zeitnah“ verlängern wolle. Intern ist man sich sicher: Ankermanns Entwicklungsschub ist noch lange nicht vorbei. Sein linker Wurf hat bereits jetzt die gleiche Geschwindigkeit wie der von Domagoj Duvnjak, nur dass er 13 Jahre jünger ist.

Die Handball-Bundesliga verzeichnet in dieser Saison einen regelrechten Jugendboom. Mit Lukas Stutzke (SC Magdeburg) und Noah Beyer (TVB Stuttgart) haben bereits zwei weitere 19-Jährige ihre ersten Saisontore erzielt. Doch keiner von ihnen hat ein Derby entschieden. Ankermann schon. Und das, obwohl er eigentlich noch für die U20 spielen dürfte.

Für den Spieler selbst ist die Aufmerksamung Neuland. „Ich habe nur meinen Job gemacht“, sagte er nach dem Spiel, sichtlich überfordert von den Mikrofonen. Dabei war sein Treffer alles andere als Routine. Mit einem Schritt nach vorne zog er aus neun Metern ab, ließ Torben John keine Chance und lief anschließend mit erhobenem Arm zur Fanszene. Das Bild ging viral.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der DHB-Anruf mehr war als ein PR-Gag. Gíslason hat angekündigt, Ankermann im Test gegen Spanien auflaufen zu lassen. Sollte er erneut treffen, wäre er der jüngste Debütant seit Paul Drux 2014. Die Zahlen sprechen für ihn: 14 Treffer in 17 Spielen, eine Wurfquote von 67 Prozent – und ein Selbstvertrauen, das sich mit jedem Tag steigert.

Die Nordderby-Torschützenliste ist kein Museum mehr. Sie ist ein Vorbote. Wer heute trifft, bestimmt morgen die Liga. Ankermann hat den ersten Schritt gemacht. Der zweite folgt in Madrid.