Anja wicker verpasst gold um sekundenbruchteil – silber trotz softl
12,8 Sekunden. So wenig trennt Anja Wicker vom zweiten Paralympics-Gold ihrer Karriere. Die 34-jährige Stuttgarterin prescht nach vier sauberen Schießserien mit nur einem Fehler in Tesero auf Rang eins, liegt sogar vor der 19-jährigen Südkoreanerin Yunji Kim. Dann wird die Loipe weich. Jedes Skaten fühlt sich an, als würde man durch Treibgut waten. Der Vorsprung schmilzt, die Beine werden schwer, und aus dem Traum von Gold wird Silber.

Druck weg, medaille da
Die Bronze vom Sprint wirkt wie ein Turbo. „Ich stand heute total locker da“, sagt Wicker nach dem Rennen. „Gestern habe ich mein Ziel erreicht, heute durfte ich nur noch spielen.“ Spielen – und trotzdem Edelholz abstauben. Es ist ihre fünfte Medaille bei fünf Spielen, ein Quäntchen Sotschi 2014, zwei Hände voll Peking 2022 und jetzt zwei Stück aus Italien. Die Bilanz: Gold, Silber, Bronze, Silber, Bronze. Fast so rhythmisch wie ihr Herzschlag auf der letzten Runde.
Hinten heran schiebt sich Kendall Gretsch aus den USA auf Platz drei. Die 33-jährige US-Amerikanerin profitiert von der Weichstelle ebenso wie Kim, nur dass sie die Krise später erwischt. Sprint-Olympiasiegerin Oksana Masters verpasst als Vierte das Podest – für sie die erste Blamage seit Langem. Der deutschen Delegation reicht das: Kurz darauf schraubt Marco Maier nach. Mit nur einem Stock und nur einem Schießfehler fährt er im Sitzen seine zweite Bronze ein. Cai Jiayun wiederholt Gold, Arendz sichert Kanada Silber – und das deische Team jubelt sich bei Minusgraden warm.
Zwei Rennen, zwei Medaillen. Für Wicker klingt das wie ein Märchen, ist aber Realität. Die nächste Chance auf Revanche: die Staffel. Die Loipe wird nicht weicher werden, aber ihre Beine schon.
