Union gegen werder: baumgart setzt auf khedira, thioune fordert umschalt-killer

Die Alte Försterei kocht. 22 000 Terz- und Grün-weiß gewaltige Lungen schreien sich um 17:30 Uhr die Seele aus dem Leib, während zwei Mittelfeld-Generäle auf dem Rasen die Klingen kreuzen: Rani Khedira darf endlich für Tunesien spielen und trägt am Sonntag erstmals diese Freiheit wie einen Panzer. Gegenüber lauert Jens Stage, Werders ballerobernder Däne, der in den letzten fünf Spielen zweimal den Platz als Sieger verließ – beide Male, weil seine Sprint-Serie den Gegner zerfetzt.

Steffen Baumgart steht in seiner schwarzen Kapuzenjacke an der Seitenlinie, als hätte er die Lautstärke selbst gedreht. Union holte aus den jüngsten fünf Partien magere vier Punkte, kassierte in zwei davon schon vor der 20. Minute Gelb. „Wir wollen die erste Viertelstunde überleben“, sagt er halblaut, aber die Kamera fängt die Lippen ab. Dahinter Daniel Thioune, der Werder-Coach, der sich selbst als „Leidenschaftsmacher“ bezeichnet und dessen Team nur eine Idee schneller ist als die Tabelle vermuten lässt.

Die aufstellung: baumgart stellt khedira sofort auf, thioune setzt auf topp-grüll-doppel

Frederik Rønnow zwischen den Pfosten, vor ihm die drei Mann-Dorn-Verteidigung aus Nsoki, Doekhi und Querfeld. Khedira rückt als Sechser vor die Abwehr, neben ihm Haberer und Schäfer, die wie Box-to-Box-Zügel reiten. Die Außen Köhn und Kemlein sollen die Bremer Außenbahnen veröden, Ilic und Ansah splittern in der Spitze. Auf der Gegenseite wirft Thioune mit Backhaus, Stark und Sugawara drei Innenverteidiger in den Ring, Stage und Lynen sollen den Tempogegenstoß einleiten, während Grüll und Topp die Union-Zentrale wie ein Brennglas auf die Torwand richten.

Die Statistik knarzt: Union gewann nur eins der letzten fünf Duelle gegen Werder. Doch die Zahlen lügen nie – und sie flüstern: In den vergangenen drei Heimspielen schoss Union mindestens ein Tor vor der 30. Minute. Werder kassierte in den letzten drei Auswärtsspielen vor der 25. Minute. Irgendjemand wird heute seine Serie brechen.

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Free-TV? Fehlanzeige. DAZN kaufte sich für diese Partie die alleinige Übertragung, Zuschauer zahlen 29,99 Euro im Monat, um mitzuerleben, ob Khediras neuer Passierschein Tunesien ihn auch in Berlin zu einem anderen Spieler macht. Parallel liefert Sport1 den Liveticker, jede Sprint-Statistik, jede Balleroberung in Echtzeit, weil manchmal das geschriebene Wort schneller ist als das Bild.

Thioune sprach am Freitag von „Kompaktheit wie ein Reißverschluss“. Baumgart konterte mit der Forderung nach „Aggressivität ohne Gelb“. Beide wissen: Der 25. Spieltag ist kein Endspiel, aber ein Schrittmacher. Wer heute verliert, rutscht auf Platz zwölf oder dreizehn, mitten hinein in die Wolken von Relegation und Europa-League-Traum. Die Kurve wird singen, die Trommeln werden donnern, und irgendwann zwischen der 15. und 75. Minute wird ein einziger Pass die Saison in eine andere Richtung lenken.

Am Ende zählt nur, wer den Schalter umlegt. Union will die Negativserie stoppen, Werder die Auswärtsschwäche austreiben. Einer wird jubeln, einer wird fluchen. Die Alte Försterei wird wieder einmal beweisen, dass sie kein Stadion ist, sondern ein Mikrofon für die Seelen derer, die drin und draußen stehen. Kick-off 17:30 Uhr – pünktlich, gnadenlos, lebendig.