Anja wicker schiebt im schneematsch von tesero silber auf silber und schreibt paralympics-geschichte

Silberregen statt Schneeflocke: Anja Wicker hat im nasskalten Tesero nicht nur ihre siebte Paralympics-Medaille geholt – sie hat damit endgültig bewiesen, dass sie nicht nur das Gewehr, sondern auch die Langlaufski beherrscht. 54,1 Sekunden fehlten der Stuttgarterin auf der 20-Kilometer-Distanz, doch die Lücke zu Gold schrumpft mit jedem Rennen.

Vom biathlon-thron zum langlauf-podest

Sechs Mal hatte Wicker zuvor bei Spielen Medaillen gesammelt, allesamt mit dem Kleinkaliber in der Hand. Das war gestern. Im Schneeregen von Tesero wechselte sie die Disziplin, nicht aber den Gang: sitzend, aber mit Vollgas. Hinter der Südkoreanerin Kim Yun-yi wurde sie Zweite – und schob Oksana Masters, die sonst alles wegräumt, auf Platz drei.

Die Zahl, die bleibt: sieben Paralympics-Eisen im Schrank, eins davon aus purem Gold von Sotschi 2014. Die neue ist das erste aus Langlauf-Silber. Deutschland bringt damit in dieser Disziplin vier Silber und eine Bronze mit nach Hause – mehr gab es noch nie.

Deutschlands langlauf-revival im regen von tesero

Deutschlands langlauf-revival im regen von tesero

Die deutschen Skilangläufer hatten in den vergangenen Jahren oft nur die Rolle der Statisten. Wicker ändert das mit jedem Schritt. Ihre Bronzefahrten im Biathlon-Sprint und der Verfolgung waren schon Vorbote, doch die 20-Kilometer-Entscheidung war der Beweis: Der Sprint zählt, aber die Distanz zeigt, wer wirklich kann.

Die Uhr stoppte bei 54:28,8 Minuten. Dahinter steckt ein Ritt durch Schneematsch, bei dem sie in den letzten fünf Kilometern noch Masters überholte. Die US-Amerikanerin, sonst die unangefochtene Dame der sitzenden Klasse, musste sich mit 1:11,2 Minuten Rückstand begnügen.

Die bilanz, die mehr zählt als medaillen

Die bilanz, die mehr zählt als medaillen

Wicker geht mit sieben Edelmetallen nach Hause, doch die wahre Währung heißt Respekt. Von 2014 bis heute hat sie jedes Podest mindestens einmal betreten – Gold, Silber, Bronze – und jetzt auch noch die Disziplin gewechselt. Wer behauptet, Parasportler sein Spezialgebiet, sollte ihre Trainingspläne lesen: Doppelschicht Biathlon, dann Langlauf, dann wieder Zieltraining. Die Folge: ein Silber, das in der deutschen Ski-Geschichte stehen bleibt.

Die Saison ist vorbei, die Geschichte nicht. In vier Jahren steht das nächste Ziel. Wicker hat gezeigt, dass sie nicht nur schießen, sondern auch laufen kann – und dass Silber manchmatter aussieht als Gold, wenn man es im Schneeregen erkämpft.