Bunting bricht nach pfiffen in göttingen das schweigen: „das hat wehgetan“

Stephen Bunting spürte die Bosheit in der Zwerchfellhöhe. Ein gellendes Pfeifen durchschnitt die Emsland Arena, als Niko Springer im Decider auf Doppel 10 stand – und der Engländer verlor nicht nur das Leg, sondern auch die Nerven.

„Wenn ihr pfeift, geht lieber ins Fußballstadion“, donnerte der 59-fache Turniersieger wenig später auf Instagram. Der Post war kein Ausraster, sondern ein Aufschrei. „Ich jammer nie über Niederlagen, aber heute tut es weh.“

Die szene, die alles auslöste

Springer, 22, selbst noch ein Kind der Ruhrpott-Automaten, nutzte die Unruhe. Mit 10:9 zog er ins Achtelfinale der European Darts Trophy ein – und ließ Bunting mit finsterem Blick zurück. Die Kameras fokussierten Springers Siegesbrüller, doch das Mikro fing das Gekreische dahinter ein. Kurz: Es war nicht die Lautstärke, sondern die Intention, die traf.

Bunting schrieb von Hotelzimmer 312. Kein Management-Text, sondern Selbstgespräch in Echtzeit. „99 % der deutschen Fans sind grandios“, betonte er. Die verbliebene Prozentzahl aber vergifet das Klima. „Ich verstehe jetzt, warum Kollegen hier aussetzen.“

Warum deutschland dieses problem hat

Warum deutschland dieses problem hat

Pfeifkonzerte sind in UK-Pubs verpönt, in den Niederlanden selten. In deutschen Hallen hingegen schwappt Fußball-Kultur über. Promoter buchen Partytribünen, Bier fließt in Maßkrügen, Songs wie „Seven Nation Army“ ziehen sich durch die Pause. Der Effekt: Fans übertragen Kurzschluss-Emotionen vom Rasen auf die Bühne – und verwechseln Darts mit Derby.

Die Zahlen sind leise, aber eindeutig: Seit 2022 gaben acht Top-16-Spieler Termine in Deutschland ab, vier davon nannten „Zustände in der Halle“ offiziell als Grund. Die PDC führte extra „Respect-the-Throw“-Ansagen ein – vergeblich, wenn 3.000 Stimmen gleichzeitig „Pfiiiiiief“ skandieren.

Für Bunting war Göttingen die letzte Konfrontation mit einem Muster. Berlin 2018 – sein größter TV-Abend –, Dortmund 2021 – Standing Ovations. Die Erinnerung mag Goldstaub sein, doch derzeit klebt der schwarze Rand daran.

Springer bleibt cool – und trifft jetzt auf clemens

Springer bleibt cool – und trifft jetzt auf clemens

Während Bunting seine Koffer packt, bereitet sich Niko Springer auf das Achtelfinale vor. Sonntag, 14 Uhr, Livestream auf Sport1. Gegner: Gabriel Clemens, der zweite Deutsche im Rennen. Springer will die Geschichte umdrehen. „Ich spiele für die, die klatschten“, sagte er nach dem Match. Kein Kommentar zu den Pfiffen – stattdessen ein Lächeln, das sagt: Ich lasse die Darts sprechen.

Die Message ist klar: Die Zukunft der German Darts Trophy steht auf dem Board. Entweder die Fans wählen Anstand – oder die Stars wählen andere Turniere. Bunting wird wieder zurückkommen, verspricht er. Ob die Hallen dann endlich Ruhe geben, entscheidet sich beim nächsten 180.