Ambri-piotta: weibel muss sieben fragezeichen in 30 tagen lösen

Die Leventina brodelt. Nach dem Sweep gegen Ajoie richten sich alle Augen auf Lars Weibel – der neue Sportchef hat bis Saisonstart 30 Tage, um sieben Lebensentscheidungen zu treffen. Verlängern oder ziehen lassen? Die Antwort bestimmt, ob Ambri-Piotta 2026 wieder mitspielt oder mitsingt.

Die tickende bombe heisst michael joly

39 Scorerpunkte, drei Play-out-Tore, ein Wechselwunsch in den Kopf. Joly war der einzige Stürmer, der in dieser Saison konstant Gefahr ausstrahlte – und genau deshalb liegt sein Vertragslaufwerk jetzt auf Weibels Schreibtisch wie ein geladener Revolver. Die Kanadier-Agentur hat ein zweijähriges Angebot aus der KHL liegen, das dreimal so viel zahlt wie Ambri kann. Weibel kennt die Zahlen, er hat sie selbst gerechnet. Doch er kennt auch die Stimmung im Fanblock: Verliert man Joly, verliert man das letzte bisschen Hoffnung.

Die Rechnung ist simpel: Ersetzen lässt sich Joly nicht mit Schweizer Talent. Der Markt ist leergefegt, die Preise explodiert. Bleibt er, muss Weibel anderwo sparen – und das wiederum könnte Alex Formenton dazu verleiten, das sinkende Schiff zu verlassen. Ein Domino, das bereits klappert.

Abwehr wie ein schweizer käse

Abwehr wie ein schweizer käse

178 Gegentore, Platz 11 der Liga, Jesse Virtanen als bester Scorer von der blauen Linie. Die Statistik riecht nach Systemkollaps, nicht nach Pech. Tim Heed wartet auf ein Signal, ob man ihn als Leitwolf sieht oder nur als Platzhalter für einen jüngeren Import. Sein Vertrag läuft aus, sein Kind geht im August in die Schule – und er will wissen, ob er in Ambri anmeldet oder in Schweden.

Die einzige Konstante: Gilles Senn und Philip Wüthrich bleiben. Doch selbst die Torhüter wissen: Hinter ihnen steht momentan ein Bahnhof. Weibel muss also nicht nur Joly halten, sondern mindestens zwei Top-Verteidiger finden, bevor der Markt am 15. Juli dichtmacht. Die Uhr tickt lauter als das Gong in der Valascia.

Pestoni sitzt auf der tribüne und schweigt

Pestoni sitzt auf der tribüne und schweigt

Inti Pestoni hat einen gültigen Vertrag, aber kein Dress. Seit dem letzten Ligaspiel saß er neben den Wasserflaschen, statt auf der Bank. Tapola begründete es mit „Rollenumverteilung“, doch wer die Gesichter im Training sieht, weiß: Es gibt kein Zurück. Pestoni ist 33, einst das Gesicht des Klubs, heute ein Reserveplatz mit Namen. Weibel kann ihn halten und das Kabinenklima belasten, oder er löst den Vertrag auf und riskiert einen Shitstorm in den sozialen Medien. Keine Option ist bequem.

Dabei wäre Pestoni gen der Typ, den man in der Nachwuchsarbeit brauchen könnte. Aber wer sagt ihm das? Und wer traut sich, ihm den Helm abzunehmen?

Die truppe, die bleibt, reicht nicht

Die truppe, die bleibt, reicht nicht

Luc Bachmann, Miles Müller, Daniele Grassi – das ist das Gerüst. Drei Schweizer, zwei davon noch im Lernalter. Grassi wird 32, er hat gerade seine beste Saison seit Jahren gespielt, aber er kann nicht gleichzeitig erste und zweite Reihe centern. Müller hat das Nati-Trikot bekommen, doch er ist kein Joly-Ersatz. Bachmann ist talentiert, aber noch keine Führungskraft. Wenn Weibel hier nur Lücken stopft, wird Ambri nächstes Jahr wieder in die Play-outs rutschen – und dann ist selbst die Valascia zu klein für den Frust.

Die Fans wissen es. Sie haben schon jetzt die ersten Sitzplätze storniert. Die Warteliste für Abonnements schrumpft, statt zu wachsen. Weibel spielt also nicht nur um Kader, sondern um Existenz.

30 Tage, sieben unterschriften, eine zukunft

30 Tage, sieben unterschriften, eine zukunft

Am 30. Juni läuft die Frist. Wer bis dahin nicht unterschrieben hat, darf ablösefrei gehen. Weibel hat die Liste auf seinem Handy gespeichert: Joly, Formenton, Heed, Zgraggen, Dotti, Landry, Borradori. Jeder Name ein kleiner Krieg. Er fliegt nächste Woche nach Toronto, um Joly zu treffen. Danach nach Stockholm, um Heed zu überzeugen. Zwischen den Meetings sitzt er im Büro, starrt auf die leere Wand und weiß: Entscheidet er falsch, wird er in zwei Jahren nicht mehr Sportchef sein, sondern Fußnote.

Die Valascia wird renoviert, das Budget ist gesichert, doch all das nützt nichts, wenn auf dem Eis keine Identität steht. Ambri-Piotta war einst das Team, das gegen alle Logik kämpfte. Heute ist es das Team, das gegen sich selbst verliert. Weibel hat 30 Tage, um das Blatt zu wenden – oder es endgültig zerreißen zu lassen.