Allendorf zündet den keil: wetzlar plant schon für liga zwei

Michael Allendorf kam als Retter, spricht aber längst wie ein Realist. „Wir planen zweigleisig“, sagt der neue sportliche Geschäftsführer der HSG Wetzlar – und meint damit 1. und 2. Bundesliga. Ein Satz, der im Tabellenkeller der Handball-Bundesliga wie ein Gongschlag klingt.

Der countdown läuft: neun spiele, zwei punkte rückstand

Mit 10:40 Punkten klebt Wetzlar auf Relegationsplatz 17, nur zwei Zähler hinter Bergischer HC und GWD Minden (je 12:38). Die Rechnung ist simpel: Wer am 34. Spieltag mindestens Platz 16 belegt, darf durchatmen. Allendorf gibt sich kampfeslustig: „Wir haben alles in der eigenen Hand.“ Doch hinter den Kulissen arbeitet der 39-Jährige bereits an der Kaderplanung für die Saison 2025/26 – egal, ob gegen Kiel oder Konstanz.

Die interne Analyse ist längst abgeschlossen. Nach Einzelgesprächen mit jedem Spieler zeichnet sich das Bild einer Mannschaft, die nicht aufgibt, aber ihre Grenzen kennt. „Die Jungs haben verstanden, dass Reden allein nicht reicht“, sagt Allendorf. Der Sieg in Minden – 30:27 nach 16:21 zur Pause – war das erste Lebenszeichen. „Viele kleine Mosaiksteine“ nannte er den Auftritt, nicht mehr und nicht weniger.

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Am Samstag geht’s nach Mannheim zu den Rhein-Neckar Löwen, dann empfängt Wetzlar am Gründonnerstag die Stuttgart Frisch Auf. Beide Partien gelten als Muss-gewinnen, obwohl Allendorf den Begriff hasst: „Der Druck bleibt hoch, bis der Ball zum letzten Mal rollt.“ Der Club hat intern eine Ampel installiert: Grün für Siege, Rot für den Abstiegsfall. Aktuell blinkt Gelb.

Die Infrastruktur ist laut Allendorf „erstligatauglich“, die Buderus-Arena ein Top-Standort. Doch selbst die schönste Halle nützt nichts, wenn der Kreisläufer blockiert und der Torhüter den Ball nicht mehr fängt. Deshalb trainiert Wetzlar seit Wochen mit erhöhtem Pensum: Doppelschichten, Videoanalysen bis 23 Uhr, individuelle Athletik-Module. Die Spieler nennen es „Allendorf-Bootcamp“.

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Der SC DHfK Leipzig (9:39) liegt einen Punkt hinter Wetzlar, könnte theoretisch noch vorbeiziehen. Allendorf schmunzelt: „Wir schauen nicht nach hinten, sondern nach vorn.“ Tatsächlich entscheidet sich die Meisterschaft für Wetzlar in den direkten Duellen: noch gegen Bergischen HC (26. April) und beim TVB Stuttgart. Wer da gewinnt, hat die besseren Karten.

Doch selbst wenn der Klassenerhalt klappt, bleibt die Frage: Wie stabil ist der Kader? Allendorf bestätigt, dass erste Vertragsgespräche laufen, Namen nennt er nicht. „Wir wollen nicht abstiegen, aber wir planen auch nicht mit Halbgaren.“ Ein Satz, der vielsagender ist als jede Tabelle.

Wenn am 34. Spieltag die Sirene ertönt, will Allendorf entweder mit der Faust nach oben feiern – oder mit dem Stift unterschreiben. Beide Szenarien hat er auf seinem Schreiben liegen. Kein Plan B, sondern ein Plan Zwei.