Allegri zieht nach cremona-sieg die derby-karte: „17 punkte bis zur champions league“

Der AC Mailand schlurft, stolpert, trifft – und gewinnt. 2:1 in Cremona, Platz zwei weiter zementiert, die Stadt schon in Derby-Stimmung. Max Allegri stemmt die Kinnlade nach oben, lacht verschmitzt: „Bartesaghi ist zum richtigen Zeitpunkt runter, Estupiñán bringt die Ball-Goldgrube.“

Same script, neues happy end

Was sich wie ein Déjà-vu liest, ist Programm. Mailand spielt sich den Ball zu, verpasst die Viererkette mit der Brechstange, lässt Chancen liegen, die Haare bleiben in den Händen. Dann kommt Minute 87, Estupiñán flankt, Jovic nickt – Sieg. Die Kurve atmet auf, die Tabelle lacht: 55 Punkte, Vier-Punkte-Polster auf die Roma, Derby in Sichtweite.

Allegri zählt runter: „Elf Spiele, 17 Zähler – das ist unser Champions-League-Fähnlein.“ Er spricht schnell, als wolle er die Rechnung schon vergessen, bevor sie jemand nachprüft. Denn hinter dem Spaß steckt Stress. Das 0:1 gegen Parma lastet noch in den Knochen, die Cremonese zwängt Milan in die eine oder andere kalte Dusche. Ballzirkulation? 42 Prozent erste Hälfte, Tiki-Taka-Light. „Wir haben Schwierigkeiten, das Spiel zu lesen“, gibt Allegri zu, „aber wir lesen das Ergebnis richtig.“

Derby als seismograph

Derby als seismograph

Der Blick richtet sich gen Norden, San Siro, Sonntag, 18 Uhr. Inter hat 13 Siege aus 14, ein Maschinenraum mit Nainggolan-Energie. Allegri wirft die Zahlen in den Raum: „Ihre Statistik ist absurd, hoffentlich drehen sich die Prozente gegen sie.“ Es klingt wie ein Fluch, der keiner sein will.

Die Personalie Bartesaghi verkettet sich zum Symbol. Der 19-jährige Linksverteidiger verlässt nach 23 Minuten das Feld, Adduktoren-Ziehen. Estupiñán springt ein, liefert die Vorlage. „Manchmal muss das Schicksal mit dir tanzen“, sagt Allegri und grinst wie ein Mann, dem gerade ein Lotto-Gewinn in die Hände gefallen ist.

Die Frage nach dem System kratzt er mit einer Handbewegung ab. „Module interessieren mich nicht, Punkte schon.“ Sein 3-4-2-1 wird zum Baukasten, Flügelzange statt Spielverkettung. Leao dribbelt, zieht ab, trifft den Pfosten. Pulisic jagt den Abpraller über den Querbalken. Die Tore fallen trotzdem, weil Mailand in der Schlussphase einfach mehr will.

Die luftschloss-rechnung

Die luftschloss-rechnung

17 Punkte in 11 Partien – das wäre 1,55 Schnitt. Kein Hexenwerk, wenn nicht der Kalender bösartig wäre: Nach dem Derby folgen Roma, Lazio, Atalanta. Allegri wischt die Bedenken beiseite: „Ein Schritt nach dem anderen, aber mit Tempo.“ Seine Stimme wird rauer, als redete er mit sich selbst.

Cremona-Coach Nicola hadert: „Wir haben Milan gezwungen, ihre schlechte Seite zu zeigen. Aber ihre gute Seite trifft immer noch.“ Die Zahlen liegen auf dem Tisch: Milan kreiert 1,9 xG, Cremona 1,4. Die Effizienz entscheidet, nicht die Ästhetik.

In der Kabine donnert Musik, der Rapper federt durchs Zimmer. Allegri packt seine Zahlen-Post-its ein, wirft noch einen Satz über die Schulter: „Wenn wir Sonntag gewinnen, sind wir nicht nur Stadtmeister, sondern auch Kopfmacher.“ Dann ist er weg, Richtung Bus, Richtung Derby, Richtung Zukunft, die er sich selbst zusammenrechnet.

Mailand spielt kein Fußball-Märchen, aber ein Fußball-Krimi. Und in Krimis zählt nur, wer am Ende noch atmet.