Füllkrug bleibt joker – milan siegt, scudetto aber aus
Ein Tor in der Nachspielzeit, drei Punkte, Platz zwei gesichert – und trotzdem hängt über der AC Milan ein bittersüßer Beigeschmack. Beim 2:0 beim Aufsteiger Cremonese schossen Strahinja Pavlovic und Rafael Leao die Rossoneri in der 90. Minute und der vierten Minute der Nachspielzeit auf die Siegerstraße, doch die zehn Punkte Rückstand auf Stadtrivale Inter bleibt ein bissiger Brocken im Hals.
Nur ein treffer in elf spielen
Deutschlands Sturm-Hoffnung Niclas Füllkrug durfte wieder von der Bank springen. Die 62. Minute, mittlerweile seine feste Arbeitszeit. Elf Pflichtspiele, zehn Mal Joker, ein einziges Tor – die Bilanz des WM-Kandidaten seit seinem Winter-Transfer von West Ham United liest sich wie ein Stenogramm der Ungeduld. Milan braucht Tore, um den Titel noch zu erreichen, doch Trainer Paulo Fonseca setzt auf andere Pferde.
Die Rechnung ging zumindest kurzfristig auf. Pavlovic köpfte eine Ecke von Christian Pulisic ins Netz, Leao schob nach einem Konter den Deckel drauf. Die Gäste hatten zuvor 89 Minuten lang an der murrischen Chianti-Kälte genagt, Chancen liegen gelassen, Nerven verbraucht. Dass es am Ende doch glatt zugeht, war der kalten Effizienz geschuldet – und ein wenig Glück.

Inter setzt sich ab, derby kommt
Während Milan sich mühte, pflegte Inter am Samstag Selbstvertrauen. Gegen Genua reichten ein Traumtor von Federico Dimarco und ein verwandelter Elfmeter von Hakan Calhanoglu, um die Nerazzurri auf Kurs zu halten. Die Tabellenführung wuchs, der Vorsprung auch – psychologisch ein Vorteil, bevor am Sonntag das Derby della Madonnina ansteht. Für Milan ist es das letzte große Feuerwerk in diesem Meisterschaftskampf, für Inter nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum zweiten Scudetto in Folge.
Füllkrug wird wieder bereitstehen, wahrscheinlich in der 62. Minute. Die Frage ist nicht mehr, ob er trifft, sondern ob er überhaupt lange genug auf dem Platz steht, um die nötige Wettkampfroutine zu finden. Vertraglich ist er bis Saisonende an der Via Aldo Rossi gebunden, danach? Die Gerüchte um einen vorzeitigen Rückkehrplan nach Deutschland verstummen nicht.
Die Zahlen sind hart: Milan benötigt in den verbleibenden zehn Spielen mindestens neun Siege, um theoretisch noch Druck auf Inter ausüben zu können. Realistisch ist das nicht. Bleibt die Champions-League-Qualifikation, ein Ziel, das nach dem verpatzten Start in die Saison schon fast als Erfolg gilt. Derweil tickt die Uhr für Füllkrug. Ein Tor in elf Spielen ist zu wenig für einen Mann, der in der Bundesliga einst die Kugel magnetisch fand. Milan gewinnt – aber der Sturm gehört nicht ihm.
