Alcaraz-fluch: wer den weltklassiker sticht, scheidet kurz danach selbst
Sebastian Korda war noch nicht einmal duschen, da hatte ihn der Tennis-Gott schon wieder zurückgeholt. 48 Stunden nachdem der US-Amerikaner in Miami Carlos Alcaraz mit 6:3, 5:7, 6:4 aus dem Turnier warf, schickte ihm Martín Landaluce die Quittung. Der Spanier, 19 Jahre alt und ohne ATP-Ranking, riss Korda in Runde drei mit 6:4, 7:5 aus dem Rennen. Mucksmäuschenstill war der Court, als Landaluce den Matchball verwandelte – und laut wurde es, als klar wurde: Der Alcaraz-Sieger scheidet wieder frühzeitig aus.
Ein muster, das sich seit zwölf monaten zieht
Es begann vor einem Jahr, als David Goffin Alcaraz in Miami in dessen Auftaktmatch schlug – und schon zwei Tage später gegen Brandon Nakashima unterging. Die Liste der Verdammten wächst seitdem wie ein Schleim aus dem Achtelfinale-Pool. Cameron Norrie im Herbst 2025 in Paris: Sieg gegen Alcaraz, Niederlage gegen Valentin Vacherot (ATP 25) direkt danach. Daniil Medvedev in Indian Wells: Halbfinal-Coup gegen den Murcianer, Final-K.o. gegen Jannik Sinner. Wer den König blutet, verblutet selbst.
Die Zahlen sind hart: Seit dem US Open 2024 haben acht Spieler Alcaraz außerhalb eines Finales besiegt – sieben von ihnen verloren die nächste Partie. Nur Alex de Minaur in Shanghai schaffte den Sprung über die folgende Hürde. Ein Zufall? Auf dem Papier vielleicht. Auf dem Court sieht es nach Belastungsfolge aus. „Ich kann nicht mehr, ich könnte heimfliegen“, sagte Alcaraz nach dem Korda-Match. Die Worte klangen wie ein Geschenk an den Amerikaner – und wie ein Fluch für dessen Weg.

Korda spürt den preis der superleistung
Korda selbst wirkte nach dem Sieg wie ausgepumt. Die Beine schwer, der Aufschlag ohne Biss, die Vorhand ein Zehntel zu spät. Landaluce, ein Junioren-Weltmeister, der gerade erst die College-Tour verließ, nutzte die Lücke mit der Kühlheit eines Routiniers. „Ich habe gesehen, dass er müde ist“, sagte der Spanier nach dem Match. „Ich habe einfach mehr Lauftraining gemacht als er in den letzten Tagen.“ Kein Psychotrick, nur Tatsache.
Die ATP-Physiologen sprechen von einer post-exzessiven Cortisol-Dip: Wer 120 Minuten lang auf höchstem Niveau ballt, braucht 48 Stunden, um die neuronale Zündkerze wieder auf Hochtouren zu bringen. Korda hatte nur 24. Das Miami-Tableau ist berüchtigt dafür: Hitze, Luftfeuchte, späte Spiele. Die Kombination tötet jeden Energiespeicher. Landaluce selbst hatte in Runde zwei nur 86 Minuten auf dem Court gestanden – und wartete wie ein Krokodil im Schatten.

Die sandplatz-saison als freitest
Nun beginnt die Terra-Battue-Saison, Alcaraz' Revier. Monte Carlo, Barcelona, Madrid – die Bälle springen höher, die Beine werden schwerer. Die Frage lautet: Schleppt der 21-Jährige den Fluch mit auf die rote Asche? Oder nutzt er die Woche Pause, um die Batterie wieder auf 100 % zu bringen? Sein Team hat die Trainingsdaten offengelegt: Keine zusätzlichen Einheiten, stattdessen Kompression, Eisbad, Neurofeedback. Die Physios nennen es „Re-Calibración“. Der Coach nennt es „Reset“.
Für die Verfolger ist das ein Signal. Sinner, Medvedev, Zverev – alle blicken nach oben, aber keiner will den nächsten Schritt vor dem Viertelfinale machen. Denn die Statistik lügt nicht: Wer Alcaraz schlägt, bekommt danach ein Zusatzhandicap. Die Wettbüros haben den Effekt erkannt: Ein Sieg gegen den Spanen außerhalb eines Finales wird mit Quote 2,8 auf eine Niederlage in der Folgepartie taxiert. Die Buchmacher nennen es „Alcaraz-Rebound“. Die Spieler nennen es „das Miami-Gift“.
Am Sonntag zieht das ATP-500-Feld nach Houston um, dann kommen die Europäer. Alcaraz trainiert bereits in Murcia auf Schotter, Landaluce feiert seinen ersten ATP-Achtelfinalsieg, Korda fliegt heim und schließt die Augen. Die Saison ist lang, aber der Fluch hat ein Gedächtnis. Und der Tennis-Kalender keine Pausezeile.
