Alcaraz zieht reißleine: „ich werde die nr. 1 verlieren – und das ist okay“
Carlos Alcaraz trat nach seinem 6-2, 6-4 gegen Sebastián Báez nicht wie ein Weltranglistenerster, sondern wie ein Realist vor die Mikros. „Ich weiß, dass ich die Krone ablegen muss – vielleicht schon in dieser Woche“, sagte er. Die Worte klangen nicht wie ein Klagelied, sondern wie eine Kampfansage an sich selbst.
Sinner hat den turbo geschaltet – und die rechnung stimmt
Der Grund für seine Nüchternheit: Jannik Sinner. Der Italiener fegte jüngst durch Indian Wells und Miami, holte sich 1 000 Punkte im Doppelpack und liegt nur noch 190 Zähler zurück. Weil er im Frühjahr 2025 wegen seiner Dopingsperre punktefrei blieb, hat er in Monte Carlo nichts zu verteidigen – sondern alles zu gewinnen. Ein Triumph reicht, um Alcaraz zu überholen. Selbst ein Finale plus ein früher Ausfall des Spaners würden reichen. Oder: Sinner ins Halbfinale, Alcaraz vor dem Viertelfinale raus. Die Mathematik ist gnadenlos.
„Ich muss 1 000 Punkte schützen, er kann nur dazugewinnen“, sagt Alcaraz. „So funktioniert das System – und ich hasse es, aber ich akzeptiere es.“ Die Aussage wirkt fast wie ein Seitenhieb gegen die ATP, die Sinner nach seiner Sperre keinen einzigen Ranglistenpunkt abstrich.

Rolex monte-carlo masters: sand statt statistik
Doch statt zu lamentieren, schaltet Alcaraz runter. „Nummer eins oder zwei – das ist Mai-Quatsch. Ich will Rhythmus auf Sand.“ Die French Open rücken näher, Paris ist sein Ziel, nicht die Excel-Tabelle. Gegen Báez ließ er keine Breske offen, spielte mit geschlossenen Augen eine Vorhand-Cross, die das Publikum aufschreien ließ. In Runde drei wartet nun Etcheverry oder Atmane – beide Schläger, die ihm weit weniger Sorgen bereiten als die Tabelle in seinem Handy.
Die Frage ist nicht mehr, ob Sinner die Spitze erobert, sondern wann. Die Antwort lautet: vermutlich schon am Sonntag. Alcaraz wird dann wissen, dass er sie nur geliehen hatte – und dass er sie sich nur mit Muskeln, nicht mit Taschenrechnern zurückholt.
