Alavés entdeckt flügel-perle ángel pérez: von nobody zu quiques unschlagbaren
Er kam lautlos, fast schon heimlich. Vor sechs Monaten kannte in Vitoria kaum jemand den Namen Ángel Pérez. Dann verabschiedete sich Carlos Vicente, Quique Sánchez Flores übernahm das Ruder – und plötzlich ist der 24-jährige Flügelläufer aus Zaragoza der Mann, ohne den alavés nicht mehr läuft.
Der moment, als sich alles drehte
Pérez erzählt es so, als wäre es ein Krimi. „Ich bin hereingeschlüpft, habe auf meine Chance gewartet und dann einfach Gas gegeben.“ Gas geben bedeutet: Tempodribblings, Kreiselndes links Außen, Hereingaben, die sich wie gelötet auf die Stirn von Samuel Omorodion und Kike García senken. Beide zählen längst zu den besten Kopfballschlachten der Kategorie. „Wenn wir zwei solche Riesen haben, muss ich die Flanke nur noch rüberbringen“, sagt Pérez und grinst, als hätte er das Geheimnis des Fußballs enträtselt.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit seinem ersten Liga-Einsatz unter Flores hat alavés 13 von 18 möglichen Punkten geholt. Der Außenbahnspieler lief in allen Partien durch, bereitete zwei Treffer vor und zog unzählige Fouls, die zu gelben Karten und Standards führten. Die Fans im Mendizorroza haben längst ein Lied auf ihn gedichtet. „An-gel, An-gel“ grollt es, sobald er zum ersten Mal in den Sprintschritt fällt.

Der vergleich mit der zweiten liga schmerzt
Früher, in Saragossa, war alles langsamer. „In Segunda División kannst du dir einen Fehler erlauben, weil das Spiel kurz unterbricht. Hier passiert das nicht. Der Ball rollt, rollt, rollt – und wenn du nicht mitrollst, bist du weg.“ Pérez beschreibt es wie einen Dauerlauf mit eingebauter Schwerkraft. „Jeder Muskel schreit, aber dein Kopf sagt: Weiter, weiter, weiter.“
Genau diese Resilienz lobt auch sein Trainer. Flores sieht im jungen Spanier den Prototypen des modernen Außenverteidigers: schnell genug, um das eigene Korridor zu schließen, mutig genug, um sich als zusätzlicher Flügelspieler einzuschalten. „Wenn ich nach vorne presche, weiß ich, dass mein Innenverteidiger hinten absichert“, erklärt Pérez. „Das gibt mir die Freiheit, kreativ zu sein.“

Copa-kracher gegen real sociedad: „kopf ist klar, herz brennt“
Am Sonntag wartet das Derby im Achtelfinale der Copa del Rey. Real Sociedad hat in Anoeta seit acht Monaten keine Heimniederlage mehr kassiert. Pérez zuckt mit den Schultern. „Klar ist San Sebastián stark. Aber ich weiß, wo unser Kopf steckt: Wir wollen die drei Punkte.“ Mehr braucht er nicht zu sagen. Die Entschlossenheit liegt in seiner Stimme, nicht in großen Worten.
Die Resilienz, von der er spricht, hat alavés schon oft gerettet. In Vigo drehte das Team einen 0:2-Rückstand, gegen Osasuna vergab der Gegner in der 88. Minute einen Elfmeter – und alavés konterte postwendend zum Sieg. „Solche Antworten machen eine Mannschaft groß“, sagt Pérez. „Wir fallen hin, aber wir stehen wieder auf. Und wir lachen dabei nicht, wir beißen.“
Traumjob ohne verfallsdatum
Fast nebenbei erwähnt er, dass er noch nicht einmal eine Wohnung in Vitoria gemietet hat. „Hotel, Training, Spiele – das reicht mir momentan. Ich will nichts festmachen, weil ich noch nicht angekommen bin.“ Er spricht von sich, als wäre er ein Projekt, keine fertige Größe. „Ich kann mehr, viel mehr. Wenn ich das umsetze, werde ich auch länger bleiben.“
Bis dahin nimmt er alles mit der Gelassenheit eines Mannes, der seinen Traum lebt und nicht aufwachen will. „Ich bin hier, weil ich hart gearbeitet habe. Aber ich bin noch lange nicht fertig.“ Die nächste Station heißt Anoeta. Wenn er dort wieder die Flanke der Saison schlägt, wird aus dem Nobody endgültig ein Name, den ganz Spanien kennt.
