Aicher versteckt ihre karten: stuhec donnert zur bestzeit
Die 21-Jährige aus Baden-Württemberg spielte Verstecken, die 35-jährige Slowenin ließ die Bombe platzen. Emma Aicher verzichtete im ersten Downhill-Training von Val di Fassa auf Show, landete abgeschlagen auf Rang 34 – und lieferte damit die beste Schachzug-Show des Tages. Denn während sich ihre Rivalinnen die Zähne an ihrer Zahnlücke ausbeißen, behält die DSV-Hoffnung die Nerven. Ilka Stuhec? Die fuhr einfach mal 1:22,92 Minuten und schickte allen anderen die Rechnung.
Die zeiten lügen nie – oder doch?
Romane Miradoli (+0,17) und Breezy Johnson (+0,34) kamen näher, blieben aber hinter der Slowenin. Kira Weidle-Winkelmann war beste Deutsche auf Platz 4, 0,59 Sekunden zurück – und damit exakt 50 Punkte hinter Aicher in der Disziplinenwertung. Drei Rennen, ein Halbmarathon an Punkten. Die Rechnung ist simpel: Wer hier in den Dolomiten zweimal gewinnt, trägt die kleine Kristallkugel nach Hause. Die große? Die liegt derzeit noch bei Mikaela Shiffrin, aber die sitzt in Denver im Physioraum und zählt Sehnenfasern.
Laura Pirovano (+0,84) und Sofia Goggia (+1,40) gaben sich ebenfalls zurückhaltend – einmal aus Taktik, einmal aus Rücksicht aufs Knie. Beide wissen: Am Freitag und Samstag zählt nur die Uhr, nicht das Training. Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg warnt trotzdem: „Wenn Emma am Freitag nur einmal ins Risiko geht, kann das reichen. Sie hat die bessere Nervenstärke.“

Die stimme aus dem seilbahnfunk
Die 14 Kilometer lange Olympiabahn rattert seit 7 Uhr, die Athleten tauschen sich in der Gondel aus. Wer zuhört, hört die Wahrheit. „Emma spart sich für die Punkterennen“, flüsterte eine italienische Servicemannschaft. „Stuhec will vor heimischem Publikum demütigen.“ Die italienischen Fans haben ihre Fahnen schon entrollt – und sie werden gebraucht. Denn nach dem zweiten Training heute um 11 Uhr wird das Feld erneut geschüttelt. Und dann? Doppel-Abfahrt, zwei Mal Gold, ein Mal Drama.
Die FIS rechnet bereits mit Quotenrekorden – und das, obwohl Lindsey Vonn ihr Karriereende noch nicht einmal offiziell verkündet hat. 400 Punkte Vorsprung, null Starts. Die Amerikanerin ist Statistin geworden, nicht mehr Athletin. Ihre Konkurrentinnen fahren um ihre Trophäen, sie sitzt vor dem Bildschirm und tippt auf Instagram. Ironie des Sports: Wer nicht fährt, verliert am meisten.
