Aicher verliert kugelkrimi – pirovano schnappt sich den pokal mit dreifach-show

Emma Aicher schlug im Ziel von Kvitfjell die Hände vors Gesicht. 37 Hundertstel fehlten, Platz fünf, Saison vorbei – und mit ihr der Traum von der kleinen roten Kugel. Die Italienerin Laura Pirovano fuhr dagegen drei Siege in Serie, schnappt sich die Abfahrtswertung und lässt die Speed-Königin Deutschlands mit leeren Händen zurück.

Pirovanos unglaubliche siegesserie

Vor März stand Pirovano noch ohne ein einziges Weltcup-Podium da. Dann kam Val di Fassa, wo sie doppelt zuschlug, und nun Kvitfjell, wo sie Aicher mit einer atemberaubenden Linie durch die flachen Passagen zeigte, was Konstanz bedeutet. 28 Punkte Vorsprung reichten – am Ende sind es 53. Die 28-Jährige aus dem Aostatal fällt in die Schneelochpose, küsst die Skispitze und weiß: Diese Kugel ist ihr Lebenswerk.

Für Aicher bleibt die Erkenntnis, dass eine Saison mit fünf Podestplätzen nicht reicht, wenn die Gegnerin dreimal die Nase vorne hat. Die Oberstdorferin wählte im Mittelteil eine sichere, fast konservative Linie – und zahlte den Preis. „Ich habe alles gegeben, aber heute war Laura einfach schneller“, sagt sie mit tränenfeuchten Augen. Der Blick geht bereits auf den Super-G am Sonntag, wo sie 95 Punkte auf Mikaela Shiffrin aufholen kann. Die Gesamtweltcup-Kugel ist noch drin, doch dafür muss alles perfekt laufen.

Weidle-winkelmann krönt ihre revanche

Weidle-winkelmann krönt ihre revanche

Während Aicher leidet, lacht Kira Weidle-Winkelmann. Die Münchnerin schraubt sich im Schlussteil um 0,15 Sekunden an Breezy Johnson vorbei und holt Platz drei – ihr bestes Abfahrtsergebnis seit zwei Jahren. „Ich wollte beweisen, dass ich nicht nur Damenteam-Backup bin“, sagt sie und grinst unter der Skibrille. Ihre Zwischenzeit am letzten Zwischenpunkt war die schnellste des Tages – ein Signal an das DSV-Coaching, dass sie im Super-G noch mehr will.

Die Strecke selbst war ein Tier: weicher Schnee, temperaturesbedingt, plus weite Sprünge und flache Passagen, die die Beine qualmten. Wer hier zu spät auf Kant ging, fraß Schnee. Wer zu frisch auf Kante ging, fraß Luft. Pirovano fand das Maß, Aicher verpasst es um einen Tick.

Die Saison endet mit einem italienischen Feuerwerk und einer deutschen Lehre: Punkte reichen nicht, wenn der Gegner die Siege holt. Am Sonntag geht’s weiter – und Aicher hat noch einen Punch im Super-G. Ob er reicht? Die 95 Punkte sagen: Es wird eng. Aber enger war schon mal was.