Aicher kassiert die kalte dusche – pirovano klaut ihr die kleine kugel in letzter sekunde
Emma Aicher musste am Sonntag in Kvitfjell die bitterste Pille ihrer noch jungen Karriere schlucken. Die 22-jährige Baden-Württembergerin verpasste mit Rang fünf nicht nur das Podium, sondern auch die kleine Kristallkugel für die Abfahrtswertung – und das ausgerechnet im letzten Rennen der Saison.
Pirovano dreht den spieß um
Die Italienerin Laura Pirovano, bis dato 28 Punkte vor Aicher liegend, legte mit dem Sieg in Norwegen nach – und schlug damit den Sack endgültig zu. Aicher, die vor dem Finale noch von einem Wunder geträumt hatte, kam im Ziel 0,89 Sekunden hinter Pirovano ins Ziel. Ein Abstand, der sich in der Abfahrt wie eine Ewigkeit anfühlt. „Nein, sie schafft es nicht!“, rief Eurosport-Kommentator Matthias Stolz, als Aichers Zwischenzeit durchkam. Der Satz klang wie ein Todesurteil.
Während Pirovano sich in der Zielmulde auf den Schnee warf und die Arme gen Himmel riss, stand Aicher nur 20 Meter weiter unten – still, starr, wie angewurzelt. Die Kugel, die sie sich seit Saisonbeginn erhofft hatte, war weg. Kein Trostpreis, keine Wiedergutmachung. Nur die leere Bühne und das Wispern der Kameras.

Weidle-winkelmann rettet deutsches gesicht
Den einzigen Lichtblick lieferte Kira Weidle-Winkelmann. Die Münchnerin fuhr mit Startnummer neun in die Streif und raste auf Platz drei – ihr zweites Podest in dieser Saison. „Ich wollte heute einfach Gas geben, mehr nicht“, sagte sie mit zitternder Stimme. Der dritte Rang bedeutet für sie 60 Punkte und einen versöhnlichen Saisonausklang nach zuletzt wackeligen Leistungen.
Für Aicher bleibt die Erkenntnis: Die Abfahrt ist ein rüdes Geschäft. Ein einziger Fehler, ein zu spates Eintauchen in die Haarnadelkurve, und schon zieht jemand anderer den Kopf aus der Schlinge. Die 28 Punkte Vorsprung, die Pirovano mitbrachte, waren zuviel. Aber sie waren nicht unüberwindbar. Aicher musste gewinnen – und Pirovano durfte maximal Vierte werden. Beides passierte nicht.
Die Saison ist vorbei, die Tränen noch frisch. In den Stunden danach kramten Fans schon nach Trost-Statistiken: Aicher ist 22, Pirovano 27. Zeit arbeitet für die Deutsche. Doch das ist Makulatur, solange die kleine Kugel aus Kristall in einem anderen Koffer nach Mailand fliegt.
