Afrikanisches molekül jagt deutsche athleten: griffonia-pulver vor dopfermte?

Mailand, 4. März – ein Tag nach dem nächsten Marathon-Wahnsinn. Die Sieger haben längst geduscht, doch im Labor der Uni Mailand läuft die Uhr weiter. Dort kristallisiert sich ein Trend heraus, der das Potenzial hat, die Supplement-Liste des Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zu sprengen. Der Grundstoff stammt aus dem Busch Westafrikas, heißt 5-HTP und landet seit Wochen in Mixer-Bechern von Freizeitsportlern und Spitzenathleten gleichermaßen.

Griffonia simplicifolia – das ist kein smoothie-booster, sondern ein serotonin-werk

Die Samen der afrikanischen Kletterpflanze liefern 5-Hydroxytryptophan, eine direkte Vorstufe des Neurotransmitters Serotonin. Höhere Serotonin-Spiegel bedeuten: schnelleres Einschlafen, stabilerer Puls, gedämpfte Stress-Achse. Für Ausdauerathleten ein Traum: weniger Cortisol-Stöße, kürfristig baute Laktattoleranz. Die italienische Doppelblind-Studie (n = 48 Rad-Profi-Fahrer) zeigte nach 14 Tagen Supplementierung (200 mg 5-HTP) einen 11 % geringeren cortisol-Anstieg nach 90-Minuten-Tempo-Test. Die Kontrollgruppe schwankte wie ein Pendel.

Doch jetzt kommt der Haken. Serotonin senkt auch den Sättigungsreiz – das gefeierte „Schlankmacher-Argument“. Konkret: Die Probanden konsumierten durchschnittlich 312 kcal weniger am Tag. Das klingt nach Diät, ist aber im Ausdauersport ein Risiko. Wer sich auf 4 000 kcal-Basis bewegt, nagt an den Glykogen-Reserven. Der erste der italienischen Versuchsgruppe, der in die Unterzuckerung rutschte, flog prompt aus dem Camp. Die Botschaft: Griffonia ist kein Allzweck-Booster, sondern eine Schraube, die gezielt – und dosiert – gedreht werden muss.

Was die wada davon hält und warum labore alarm schlagen

Was die wada davon hält und warum labore alarm schlagen

5-HTP steht aktuell nicht auf der verbotenen Liste, fällt aber unter „Methylierte Tryptamine – Stufe 2 Monitoring“. Sprich: Jede Probe, die über 50 ng/ml 5-Hydroxyindol-Essigsäure im Urin spiegeln, wird markiert und archiviert. Sollte sich der Wirkstoff als Leistungsmanipulator bestätigen, droht ein Nachrüsten in die Sektion S6. Betrifft das deutsche Peloton? Ja. Laut TSV Pelkum Sportwelt-Recherche importierten allein zwei Düsseldorfer Supplement-Shops im Januar 38 Kilogramm Griffonia-Extrakt – dreimal so viel wie im Vorjahr. Zielgruppe: Triathleten, die „clean bleiben“ wollen, aber an die Substanz glauben.

Die italienischen Forscher um Daniela Cursi Masella arbeiten bereits an einem Folge-Papier: Kombination 5-HTP plus Beta-Alanin. Die erste Versuchsreihe zeigte einen 5 % höhen Lag-free-Punkt auf dem Wingate-Test. Für Sprinter irrelevant, für Zehnkämpfer Gold wert. Die WADA wird 2025 entscheiden, ob sie den Rohstoff auf die rote Liste setzt oder bei Monitoring belässt. Wer jetzt bunkert, handelt legal – aber nicht unbedingt clever.

Letzte Mahnung von der Seitenlinie: Griffonia ist pflanzlich, aber nicht harmlos. Serotonin-Syndrome, Schwitzkurven, leberenzym-Anstieg – die Nebenwirkungsliste liest sich wie ein Lehrbuch der Katastrophenmedizin. Wer sich mit 5-HTP auf Wettkampf-Level zuballert, spielt ein Roulette, dessen Kugel erst in Mailand abgefangen wird. Die nächste Stichprobe liegt bereits im Labor. Wenn der Befund kommt, könnte der eine oder andere deutsche Spitzenplatz plötzlich rot blinken. Sportliche Karrieren enden nicht nur durch positive Tests – sondern auch durch zu viel Experimentierwut. Die Pflanze ist kein Geheimtipp mehr, sondern ein offenes Geheimnis, das seine Rechnung präsentiert – und zwar bar.