Afrika-cup 2025: senegal verliert titel am grünen tisch – marokko jubelt 59 tage später

Das Finale war chaotisch, der Nachspiel ist jetzt historisch. Der afrikanische Fußballverband CAF hat Senegal den Afrika-Cup-Titel 2025 nachträglich aberkannt und Marokko per Urteil zum ersten Mal seit 1976 zum Afrikameister erklärt. Das 1:0 aus der Verlängerung zählt nicht mehr – stattdessen steht jetzt ein 3:0 für die Gastgeber in den Akten.

Der abbruch, der nie einer war

Der Knackpunkt: die 86. Minute in Rabat. Schiedsrichter Mustapha Ghorbal entscheidet auf Strafstoß für Marokko, Senegals Spieler verlassen demonstrativ den Platz. Minutenlang steht das Spiel still, Fans wollen aufs Feld stürmen, Sicherheitskräfte rücken mit Helmen und Schutzschilden an. Erst nach Intervention von Turnierleitung und CAF-Offiziellen kehren die Löwen zurückBrahim Diaz verschießt den Elfmeter, doch das Schicksal ist längst besiegelt.

Die CAF-Berufungskommission hat jetzt genau diese Gehorsamsverweigerung als Regelbruch Artikel 82 und 84 gewertet. „Das Spiel gilt als verloren für Senegal“, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Statement – ein juristischer K.o., der alle sportlichen Argumente aushebelt.

Was das urteil für senegal bedeutet

Was das urteil für senegal bedeutet

Die Liste der Verlierer ist lang: Nicolas Jackson, Sadio Mané und 22 weitere Profis verlieren ihren zweiten Afrika-Cup-Titel. Die 50.000 Dollar Prämie pro Spieler ist futsch, der Bonus der senegalischen Regierung ebenso. Präsident Macky Sall hatte nach dem vermeintlichen Triumph noch den Nationalfeiertag ausgerufen – ein Fest, das jetzt wie ein Foul im Nachholspiel wirkt.

Der Verband reagiert empört: „Wir prüfen weitere rechtliche Schritte vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS“, teilt Generalsekretär Victor Cissé mit. Doch die Chancen stehen schlecht: Die CAF-Statuten erlauben keine Berufung gegen Entscheidungen des eigenen Berufungsausschusses.

Marokkos sieg jenseits des platzes

Marokkos sieg jenseits des platzes

Für die „Löwen der Atlas“ kommt der Sieg spät, aber nicht weniger süchtig. König Mohammed VI. ließ schon am Dienstagnachmittag eine Proklamation verlesen: „Die Gerechtkeit siegt, wenn auch verspätet.“ In Casablanca und Marrakesch explodieren die Straßen trotzdem – Autokorsos, Feuerwerk, spontane Fanmeilen. Die Mannschaft selbst feiert auf einer verschlossenen Golfresidenz nahe Rabat, wo Trainer Walid Regragui mit seinen Spielern die Trophäe auspackt – diesmal ohne Pokal, dafür mit Urkunde.

Die sportliche Leistung bleibt umstritten: Kein einziger Treffer im regulären Spiel, dafür ein Sieg am grünen Tisch. Doch die Statistik kennt kein Gewissen. Marokko steht nun mit zwei Afrika-Cup-Titeln (1976, 2025) in der ewigen Bestenliste – und Senegal bleibt bei einem Stern, der plötzlich wieder einsam leuchtet.