Addo will rangnick-duell: ghana-coach jagt sieg gegen österreich

Otto Addo schaut nicht nach Stuttgart, er schaut nur nach Wien. Ghana-Coach, geboren in Hamburg, trainiert heute Freitag (18.00 Uhr) gegen den Mann, der ihn fast einmal verpflichten wollte: Ralf Rangnick. Das Happel-Stadion wird zur persönlichen Revanche-Arena, bevor es für beide Teams in den WM-Modus geht.

„Rangnick ist in Deutschland eine Koryphäe“, sagt Addo und meint das ohne Pathos. Ende der 90er wollte Rangnick den Mittelfeldspieler zu Stuttgart holen. Addo wählte stattdessen Borussia Dortmund. Heute sitzt der 47-Jährige auf der ghanaischen Bank und will Rangnick mit dem gleichen Egoismus schlagen, den er damals an den Tag legte.

Algerien-test statt deutschland-gedenken

Das Länderspiel gegen Deutschland am Montag spielt für Addo „keine Rolle“. Er spricht lieber über Algerien. Rangnick wählte Ghana, um sich auf das WM-Gruppenspiel gegen Algerien einzustimmen. Addo nickt: „Intensität und Resilienz – unsere Teams sind Zwillinge.“ Er sieht sich selbst als Spiegelbild, nicht als Statist.

Die Warnung folgt sofort. David Alaba nennt er nur am Rande. Die Mitte ist das Problem. Laimer, Seiwald, Sabitzer – ein Mittelfeld, das „mit jedem Sprint ein bisschen die Seele raubt“, so Addo. Ghana habe sich auf hohes Pressing vorbereitet, doch Vorbereitung ist nicht Antikörper. „Wenn wir den ersten Pass vermasseln, sind wir drin in ihrem Zirkus.“

Addo kennt die deutsche Fußball-Schule, er kennt Rangnick. Er kennt auch die eigene Schwäche: Ghana hat in den letzten fünf Spielen dreimal den Führungsgeist verloren. Gegen Nigeria, gegen Benin, gegen Angola. Das sind die Daten, die er nicht nennt, die aber in seinem Nacken sitzen.

Testspiel mit scharfem rand

Testspiel mit scharfem rand

Für Rangnick ist es ein Probedruck auf Konter-Algerien. Für Addo ist es mehr: ein Statement an die Ghana-Fans, die nach dem frühen Afrika-Cup-Aus den Ruf nach neuer DNA erhoben haben. Er will keine Experimente, er will einen Sieg. „Freundschaftsspiel ist ein falscher Begriff. Für uns ist es ein Cup-Finale ohne Pokal.“

Die Uhr tickt. In 48 Stunden fliegt die Mannschaft nach Deutschland. Addo bleibt in Wien, wo er fast einmal Spieler war. Jetzt ist er Coach. Und Rangnick steht ihm gegenüber – nicht mehr als Idol, sondern als Gegner, der ihn lehren will, was er schon lange weiß: dass Fußball kein Mitleid kennt. Die 90 Minuten im Happel-Stadion werden zeigen, wer besser gelernt hat.