Ackermann am rande der verzweiflung: „die sind alle verrückt!“

Sofia, Bulgarien – Pascal Ackermanns Jagd auf den Giro d’Italia-Etappensieg gleicht einem Sechserpack. Nach einem erneut enttäuschenden siebten Platz im Massensprint der dritten Etappe ließ der Jayco-Sprinter seiner Frustration im Eurosport-Interview Luft. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die chaotischen Bedingungen und die brutale Konkurrenz im Peloton.

Ein sprint, der zur zerreißprobe wird

Ein sprint, der zur zerreißprobe wird

Die Zielgerade in Sofia präsentierte sich als sieben Kilometer lange Nervenprüfung. Nachdem sich eine dreiköpfige Ausreißergruppe bis kurz vor Schluss behaupten konnte, entbrannte ein hektischer Sprint um den Tagessieg. Ackermann, der auf die Räder des späteren Siegers Paul Magnier gesetzt hatte, fand sich plötzlich im Strudel des Kampfes wieder. Ein Zusammenstoß mit Madis Mihkels war unvermeidlich – und kostete ihn jede Chance auf den Sieg. „Völlig verrückt“, kommentierte Ackermann die Situation. „Was soll man da sagen? Den ganzen Tag passiert nichts, und am Ende ist es ein Kampf. Ich habe voll auf Magnier gesetzt, was ja am Ende auch richtig gewesen wäre. Dann ist mir der Este voll in die Karre gefahren, die sind alle verrückt und ich bin nur froh, dass ich noch meine Haut habe.“

Die Szene, die auf den Fernsehbildern kaum zu erkennen war, verdeutlicht die Brisanz eines Massensprints auf der höchsten Ebene. Das leicht unebene Kopfsteinpflaster auf den letzten 150 Metern sorgte zusätzlich für eine holprige Fahrt und ließ die Räder der Fahrer bedenklich vibrieren. Magnier setzte sich am Ende knapp gegen Jonathan Milan und Dylan Groenewegen durch und feierte seinen zweiten Etappensieg beim Giro. Für Ackermann war es eine weitere bittere Pille.

Die Verzweiflung des Sprinters ist nachvollziehbar. Denn sein letzter Grand-Tour-Erfolg liegt bereits 2023 an der 11. Etappe des Giro zurück. Die Erinnerung an das errungene Maglia Ciclamino im Jahr 2019 scheint weit entfernt. Während Magnier seine Position als einer der Top-Sprinter der Rundfahrt festigt, muss Ackermann weiter auf seine Chance warten. Die Frage ist, ob er sich aus diesem Tief befreien und seine Sprinterstärke in den kommenden Etappen unter Beweis stellen kann.

Die Organisatoren des Giro d’Italia stehen indes vor der Herausforderung, die Sicherheit der Fahrer in den Massensprints zu gewährleisten. Die jüngsten Stürze und chaotischen Szenen werfen Fragen nach der Gestaltung der Zielzonen auf. Renndirektor Angelo Zomegnan äußerte sich bereits kritisch: „Es sah aus wie ein verängstigter Hund.“ Ein deutlicher Appell, die Rahmenbedingungen für die Sprinter zu verbessern.